II

Fast jeden Tag berichten die Medien davon, wie Erwachsene Kinder verletzen. 4jährige, die auf einem Auge erblinden, weil ein Vater betrunken blindwütig um sich geschlagen hat. Diese Wunde wird immer ganz offensichtlich sein. Sein Leben beeinflussen. Eine Weiche, die weder er selbst, noch die Natur gestellt hat, die dennoch seinen Weg bestimmen wird.

Wir alle tragen mehr oder weniger Wunden aus der Kindheit mit uns herum, einige haben sich verwachsen, andere sind zu versteckt, um zu begreifen, in welchem Zusammenhang sie damit stehen, wie wir heute leiden, zweifeln, an manchen Stellen trotz aller Bemühungen, einfach nicht über uns hinaus wachsen können.

 

Ich war über 40 Jahre alt, als ich das erste Mal ansatzweise begriffen habe, wie sehr mich der frühe Tod meines Vaters, ich war gerade 5 Jahre alt, als er starb, geprägt hat. Besonders meine Trauer, die nicht gesehen, nicht begleitet worden ist. Als wäre die Trauer, die mich als Kind überfordert hat, mit der ich allein gelassen wurde, zu einem Virus geworden, der fortan immerzu in meinem Körper und meinen Gedanken wohnt und wütet. Niemals lebensbedrohlich, aber immer anwesend. Als Hüter vor zu viel Unbeschwertheit und Lebenslust.

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3 Gedanken zu “II

  1. Das teilen wir, die tiefe Kindertrauer, die nicht begleitet wurde und zu einer Bremse wurde – sooo viele Runden schon, die ich mit ihr gedreht habe, ja, manches ist leichter geworden, aber etwas bleibt, für immer!
    Wenn doch die Erwachsenen gelernt hätten wirklich Verantwortung zu nehmen!
    Liebe Grüße
    Ulli

  2. Trauer hört nie auf.

    Ich weiß nicht, ob dieser Satz stimmt, den ich da und dort gelesen und gehört habe. Mir fällt dazu immer wieder das Bild eines Baumes ein, der eine Wunde hat und drumrum trotz allem weiterwächst. Bei ihm bleibt die Wunde sichtbar, die Trauerwunden, die uns prägten, sind dagegen meist unsichtbar.

    Diese Überforderung vieler Erwachsener – ein großes Problem, das meines Erachtens daher rüht, dass wir alle nicht wirklich gelernt haben, angemessen zu trauern oder nur schon angemessen zu fühlen, mit schwierigen Gefühlen ehrlich umzugehen.

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