II

Fast jeden Tag berichten die Medien davon, wie Erwachsene Kinder verletzen. 4jährige, die auf einem Auge erblinden, weil ein Vater betrunken blindwütig um sich geschlagen hat. Diese Wunde wird immer ganz offensichtlich sein. Sein Leben beeinflussen. Eine Weiche, die weder er selbst, noch die Natur gestellt hat, die dennoch seinen Weg bestimmen wird.

Wir alle tragen mehr oder weniger Wunden aus der Kindheit mit uns herum, einige haben sich verwachsen, andere sind zu versteckt, um zu begreifen, in welchem Zusammenhang sie damit stehen, wie wir heute leiden, zweifeln, an manchen Stellen trotz aller Bemühungen, einfach nicht über uns hinaus wachsen können.

 

Ich war über 40 Jahre alt, als ich das erste Mal ansatzweise begriffen habe, wie sehr mich der frühe Tod meines Vaters, ich war gerade 5 Jahre alt, als er starb, geprägt hat. Besonders meine Trauer, die nicht gesehen, nicht begleitet worden ist. Als wäre die Trauer, die mich als Kind überfordert hat, mit der ich allein gelassen wurde, zu einem Virus geworden, der fortan immerzu in meinem Körper und meinen Gedanken wohnt und wütet. Niemals lebensbedrohlich, aber immer anwesend. Als Hüter vor zu viel Unbeschwertheit und Lebenslust.

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