(34)

Im ersten Band von „Min Kamp“ schreibt Knausgard, dass es für das Herz einfach sei, erst schlage es, und dann höre es eben zu schlagen auf. Als sei es einfach ein Menschenleben lang unaufhörlich zu schlagen, ohne Pause. Als sei es einfach, der Knotenpunkt von allem zu sein, das, wovon alles abhängt. Überhaupt das Herz; das gebrochene Herz, die Herzchen, die wir malen. Überfrachtet mit Bedeutungen.

Während draußen der Wind am Haus reißt, und ganze Sätze des Geschriebenen löscht.

Wie sollen wir schreiben? Nur über das, was wir bis in den letzten Winkel erforscht haben? Oder über Dinge, von denen wir letztendlich nichts verstehen? Voller Wut, oder voller Liebe? Verbindend, oder indem wir Löcher ins Netz reißen? Absichtslos, oder um der Welt immer wieder zu erklären, was sie nicht verstehen will?

 

Nie ist es genug. Immer entweder zu viel oder zu wenig. Diese alles stürzende Sache mit der Sterblichkeit. Dabei könnte man es als Erlösung sehen. Als Spiel, das man ohnehin nicht gewinnen kann.

5 Gedanken zu “(34)

  1. Letztendlich kann man möglicherweise nur dem Augenblick und seinem steten Herzschlag mit ganzer Intensität und Aufmerksamkeit Leben einhauchen. Versuchen wir mit Worten nicht immer nur diesem einen intensiven Augenblick Ausdruck zu verleihen ohne jemals annähernd das Ziel zu erreichen?

    1. En schöner Gedanke.
      Ich kaue zur Zeit auf einem Thema herum, bei dem ich mir genau diese Fragen stelle: Weiß ich genug darüber. Weiß ich schon zu viel oder viel zu wenig. Diese Ambivalenz lässt mich weiter darüber nachdenken und es bleibt noch völlig offen, ob ich jemals darüber schreiben werde oder ob ich das Thema sterben lasse

  2. wie sollen wir schreiben? nicht „nur“, nicht „oder“, sondern „alles“ und „und“! und zwar mit herzblut – ich glaube, darauf kommt es an. und die sache mit der sterblichkeit… da denke ich, dass sich der blick darauf stetig verändert, und ich hoffe mal, dass der blick sich mit wachsendem alter mildert… oder gar erhellt. noch ist der gedanke daran schwer…
    wunderbare zeilen, danke dafür.

  3. Schreiben hat so viele Aspekte – einer davon ist für mich der, der Welt schreibender Weise näher zu kommen und die Fragen als Fragen zu leben und zu schreiben.
    Liee Grüße
    Ulli

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