Großvater

Ich sitze in der Straßenbahn und überlege, wie eine Geschichte über meinen Großvater anfangen könnte. Diesen Mann, der der Partei (sag es: NSDAP) beigetreten ist, um das Haus für seine Familie zu retten (so geht die Erzählung). Und ich habe nicht gefragt, ob die einfache Parteimitgliedschaft vor Enteignung schütze, weiß nicht einmal, ob er selbst seine Parteizugehörigkeit so begründet hat, oder ob diese Begründung etwas ist, das später dazu gekommen ist. Dabei hätte ich mit ihm darüber reden können. Offene Gespräche konnte ich immer mit ihm führen. Als ich in der Pubertät war, gab es kaum jemanden, der mir so vorurteilsfrei und aufmerksam zuhörte wie er. Dieser Mann, der meine kranke und sterbende Großmutter immer wieder tagelang allein ließ. Derselbe, der die alten Kinderfotos so liebevoll und zärtlich beschriftet hat, dass mir beinahe die Tränen kommen, als mein Onkel sie mir zeigte. (lange nach dem Tod des Großvaters). Ein Patriarch, der für seinen Sohn vor Gericht gezogen ist, weil den ein Nachbar geschlagen hatte. Diese widersprüchliche Fiktion, mit der ich groß geworden, in den Urlaub gefahren und immer wieder lange Gespräche geführt habe, an deren Inhalt ich mich nicht erinnere, aber daran, dass ich stets das Gefühl hatte, ernst genommen zu werden, in all meiner Widersprüchlichkeit.