Glaubensbekenntnis ans „m“

Heute ist ein gutes Gefühl. Aber schief. Eine schmerzhafte Freiheit überladen mit dem „m“, das nach jedem Durchstreichen wieder auftaucht, unübersehbar da ist, sich nicht ausradieren lässt (und dann bist du plötzlich tot. Ohne Vorwarnung. Einfach so.) Und wir sollen das nicht nur glauben, sondern weiterleben mit der Unumstößlichkeit dieser Nachricht. Die keine Nachricht ist, sondern ein Glaubensbekenntnis ans Ende der Welt

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Großvater

Ich sitze in der Straßenbahn und überlege, wie eine Geschichte über meinen Großvater anfangen könnte. Diesen Mann, der der Partei (sag es: NSDAP) beigetreten ist, um das Haus für seine Familie zu retten (so geht die Erzählung). Und ich habe nicht gefragt, ob die einfache Parteimitgliedschaft vor Enteignung schütze, weiß nicht einmal, ob er selbst seine Parteizugehörigkeit so begründet hat, oder ob diese Begründung etwas ist, das später dazu gekommen ist. Dabei hätte ich mit ihm darüber reden können. Offene Gespräche konnte ich immer mit ihm führen. Als ich in der Pubertät war, gab es kaum jemanden, der mir so vorurteilsfrei und aufmerksam zuhörte wie er. Dieser Mann, der meine kranke und sterbende Großmutter immer wieder tagelang allein ließ. Derselbe, der die alten Kinderfotos so liebevoll und zärtlich beschriftet hat, dass mir beinahe die Tränen kommen, als mein Onkel sie mir zeigte. (lange nach dem Tod des Großvaters). Ein Patriarch, der für seinen Sohn vor Gericht gezogen ist, weil den ein Nachbar geschlagen hatte. Diese widersprüchliche Fiktion, mit der ich groß geworden, in den Urlaub gefahren und immer wieder lange Gespräche geführt habe, an deren Inhalt ich mich nicht erinnere, aber daran, dass ich stets das Gefühl hatte, ernst genommen zu werden, in all meiner Widersprüchlichkeit.

(19)

Ich schrieb mich ein in die Gesichter der Nachwelt (vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun). Die Erde ist ein Kreis, und es geht immerzu darum, zu verlieren. Jeder Verlust, ein Schritt auf das große Nichts zu, das es zu erreichen gilt.

25. Dezember

Ich glaube diese Sache mit der Kreuzigung nicht so wörtlich, habe ich zu M. gesagt, und dann hatte ich nicht den Mut, zu sagen, wie ich es meine. Dass wir (jeder einzelne von uns mit seiner Angst und Negativität) Jesus immer wieder ans Kreuz nagelt. Und dass ebenso jeder von uns das Potential hat, ihn wieder auferstehen zu lassen.

Weihnachten ist, wenn jeder erkennt, dass er selbst das Kind in der Krippe ist, wie U. es gesagt hat. Oder S, die sagt: das sind alles wir.

23. Dezember 2018

I

Mein Denken ist der Ausläufer eines Tiefdruckgebietes. Weil ich das nie gelernt habe: Alt werden, verschwinden.

Wir träumen uns aus den Zusammenhängen hinaus in Klischees. Wir suchen bedingungslos unser Recht Das Fohlen der Wahrheit.

II

Wir sind die Ausläufer eines seelischen Tiefdruckgebietes. Unfähig zu begreifen, was wir tun. Wir halten einander gefangen in Denkgebäuden, in denen es weder heiß noch kalt wird. Die uns zu schützen scheinen gegen die Unbill der Welt.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Darüber will ich schon länger etwas schreiben, habe angefangen zu recherchieren, aber immer wieder fehlt die Zeit. Trotzdem, so viel ist mir klar: das Problem ist nicht das fehlende Geld, um das Ganze zu finanzieren. Sondern die Verteilung. Vor einem kapitalistischen Hintergrund muss so ein Modell vermutlich immer scheitern, aber wer oder was hindert uns eigentlich so grundlegend und nachhaltig daran, über eine andere Gesellschafts- und Wirtschaftsform nachzudenken?

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Der Aberglaube, der mich einschränkt. Und wie ich mir selbst genüge. Scheinbar.

Ja. Nein. Vielleicht. Die fehlende Ruhe. Vertrauen. Sicherheit auch.

Immerzu will ich mehr sein, als ich bin. Also weniger. Und mein Geist füllt sich mit Leere. Bis er platzt.

Dann verliere ich den Überblick und gebe auf.