Denken. Vor. Stellen

Rot gemusterte Stiefel und ein Kind, das seine eigene Kindheit versäumt hat. Meine Freundlichkeit, Fremdartigkeit, Gefühlsduseligkeit vor die Tür gebeten. Und vor dem Fenster steht der Schmerz und spielt (hässlich und schief) in der verkümmernden Hoffnung, endlich wahrgenommen zu werden.

Wir aber. Liegen am Rand der Verzweiflung. Und denken. Das genügt.

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Ich-Berg

Ich hatte immer das Gefühl, meinen Kindern unterlegen zu sein. Wie ein Berg. Viel zu groß. Zu massiv. Und vor allem zu unbeweglich.

Snapshot

Ein Mann trifft einen anderen in der Straßenbahn. Der jüngere, in Jeans und Sweatshirt, fragt den anderen, im grauen Anzug: Was ist mit dir passiert? Bist du Geschäftsmann geworden? Nein, sagt der Anzugträger. Ich bin Jehovas Zeuge. Komme gerade von der Taufe. Kurzer Moment der Irritation. Ich bin Moslem, Mensch, sagt der andere. Dann wechseln sie das Thema. Du sprichst Kurdisch?, fragt der Jüngere, erneut irritiert. Was bist du für ein Landsmann? Ich bin Deutscher, sagt der grau beanzugte Zeuge Jehovas, das ist meine Heimat geworden.

Spiel

Was, fragte sie mich[i], ist aus den drei Menschen geworden, die vor Jahren hier, in diesem alten Haus, Verstecken gespielt haben?

Die eine von ihnen, sagte ich, rückt immer näher an den absoluten Stillstand, während die zwei anderen sich in noch nicht absehbare Richtungen entfalten. Das war nicht, was sie meinte. Ich wusste es ja.

Vielleicht Narben, sagte ich. Hinweisschilder. Verbote. Vielleicht nur ab und zu ein zärtlich geborgenes Gefühl im Traum.

Aber das Spiel, sagte sie. Wo ist denn um Himmels willen das Spiel geblieben?

Das war zwei Tage vor ihrem Tod.

 

 

[i] Und sie meinte es ernst

Vergänglichkeit

Die Zeit führt sich selbst im Kreis herum. Es könnte ein Tanz werden. Oder ein Stolpern. Noch ist alles offen.

Die Vergänglichkeit, die sich anfühlt wie ein hauchzarter Riss der Haut. Die Zeit, das ist meine Haut, die reisst, jedes Mal, wenn ich mir erneut der Vergänglichkeit bewusst werde.

Verstehen

„… Linné nimmt seine autoritäre

Erziehung selbst in die Hand“

(Markus R. Weber – Vor Augen)

So ein Satz springt mich an, begeistert mich. Ohne, dass ich verstehe, was er bedeutet und warum er mich begeistert.

Warum forsche ich dann nicht nach, frage: wie ist das gemacht? Was ist die Aussage, woher rührt die Wirkung? Bequemlichkeit? Angst zu scheitern? Fehlendes Zutrauen in meine geistigen Kapazitäten? All das ist möglich.