Gleichberechtigung

Mich berührt es, wenn ich von Männern höre und lese für die Emanzipation so fraglos zu sein scheint, so selbstverständlich, wie z.B. dieser Seemann, der erzählt, wie er darunter leidet, dass sein Kind monatelang ohne ihn aufwächst, während er auf See das Geld verdienen muss, der sagt, eigentlich wäre ich gerne Hausmann. Oder der Rapper, den ich neulich im Radio gehört habe, der daran verzweifelt, wie er seiner Tochter diese Ungerechtigkeit des „kleinen Unterschieds“ erklären soll. Wohingegen mich diese Schreibweise „Teilnehmer*innen“ nervt.

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12 Gedanken zu “Gleichberechtigung

  1. Mich nervt der Kapitän, der jammert dass er nicht Hausmann sein darf, warum ist er es nicht, warum steht er meiner Karriere im Weg oder der Rapper, oh der coole, wie er jammert, ob des kleinen Unterschieds, wie lieb ist mir da die Sprachverpflichtung die Frauen einforder, ja, es heisst Tennisspielerin und nicht Tennisspieler und es heisst, die Kerber und nicht, der Kerber hat Wimbeldon gewonnen.

      1. Das müssen die Zwei unter sich ausmachen, meine Meinung. Aber eigentlich ist es viel zu heiss für eine Meinung, die Meinung ist auch weiblich, aber der Meinung bin ich auch männlich.

  2. Warum verwenden wir nicht – jedenfalls bis die Sprache etwas Überzeugendes bereit stellt – grundsätzlich die weibliche Endung und nehmen das gängige Argument, das andere Geschlecht sei selbstverständlich mit gemeint, beim Wort? (Auch als Akt ausgleichender Gerechtigkeit, sollte es so etwas geben…)

    1. Ach, ich weiß nicht, ob ich die „ausgleichende Gerechtigkeit“ unbedingt in der Sprache einfordern möchte. Jedenfalls nicht auf dieser Ebene. Allgemein ist es natürlich wichtig, sich mit der Sprache zu befassen und da Lösungen zu finden, die ein neues Selbstverständnis zum Ausdruck bringen. Aber bevor man da so hässliche Schnellschüsse abfeuert, wäre es vielleicht wichtiger, sich mit Lohngerechtigkeit, Chancengleichheit usw. zu beschäftigen. Gerne auch gleichzeitig. Und bei den zitierten Herren hatte ich das Gefühl, die sind da einfach sehr viel weiter als diejenigen Menschen, die sich derartige Wortungebilde wie „Bürger*innen“ ausdenken, und das macht mir Hoffnung, dass wir trotz allem auf dem richtigen Weg sind.

      1. Es ist ja im Leben nie so, dass man mit dem einen fertig sein muss, bevor man sich mit dem nächsten beschäftigt. Das Engagement für Chancengleichheit wird durch das gleichzeitige Forschen nach einer Sprache, die die Spuren maskuliner Dominanz abbaut nicht behindert. Ich glaube sogar, eher befördert. Ich stimme dir zu, Wortungebilde wie die von dir genannten sind harte Kost für jede Sprachkulinarikerin. Seien wir also einfach noch erfinderischer 🙂

  3. Guten Morgen, Elke,
    ich mache mir viele Gedanken um die Schreibweise Teilnehmer*innen. Ja, du hast recht, es ist unästhetisch. Wir haben in der Redaktion des Weddingweisers, unserer Kiez-Zeitung, viel darüber diskutiert.
    Ich zietiere hier mal unsere Chefredakteurin Dominique Hensel:
    „Ich bin strikt gegen diese Art des Genderns. 1. Es ist nicht leserfreundlich. 2. Es ist ideologisch aufgeladen. Wir sollten eine weitgehend neutrale Form verwenden. 3. Es schließt andere Gruppen aus, z.B. ist es für alle, die nicht gut Deutsch können, eine Hürde. Ich strebe eine einfache, leicht verständliche Sprache auf dem Weddingweiser an. * gehört nicht dazu. Ergänzend möchte ich sagen, dass es ja gerade darum geht, sprachliche Stolpersteine zu legen, um ein Nachdenken zu provozieren. Dann ist sozusagen „Weddinger und Weddingerinnen“ genau das richtige.“

    Was meinst du? Sollte man immer beide Formen verwenden? Liebe Teilnehmerinnen und liebe Teilnehmer?

    Es ist mehr Arbeit, aber ich verfahre seit Neustem so.

    Einen schönen Tag wünscht Susanne

    1. Vielen Dank für diese Reaktion, Susanne. Ja, ich kann der Redakteurin voll und ganz zustimmen. So lange, bis wir keine neutralen Begriffe haben, die ganz selbstverständlich beide Geschlechter meinen, ist es wohl angemessen so zu verfahren, obwohl ich zugeben muss, dass ich keine Probleme damit habe, wenn da nur die männliche Form steht. Ich fühle mich durchaus auch als Teilnehmer angesprochen. Ist das ein Fehler? Sollte ich das einmal überdenken?

      1. Nein, Elke, mir geht das genauso. Ich habe mich schon vor der „*“ Diskussion in der männlichen Form – also als Besucher, Leser etc. – angesprochen gefühlt. Ich denke nicht, dass du es überdenken solltest.
        In meiner Masterarbeit habe ich in den Fußnoten geschrieben, dass ich der besseren Lesbarkeit wegen nur die männliche Form benutze, diese selbstverständlich die weibliche einschliesst.

  4. Die für mich einfachste Lösung ist von Leserinnen und Leser zu schreiben, es braucht nur einen winzigen Augenblick mehr und beide Geschlechter werden angesprochen; allerdings benutze ich diese „unästethische“ Schreibweise durchaus auch und gerade eben merke ich, dass es Bequemlichkeit ist.
    Allerdings ist die Schreibweise der geringste Teil des Miteinanders, für mich geht es um gegenseitige Wertschätzung und ein Leben auf selber Augenhöhe, die natürlich nicht immer gegeben ist, aber auch nicht bei gleichgeschlechtlichen Begegnungen/Partnerschaften…

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