Noch einmal Scheitern

Bei meinem ersten Eintrag nach langer Zeit, war es scheinbar insbesondere der Begriff „Scheitern“, der aufgegriffen und diskutiert wurde. Ich hatte dazu ein Zitat von Louise Bourgeois im Kopf, das ich aber seit Tagen nicht wiederfinde. Nun ist mir aber durch Zufall ein Zitat von Thomas Bernhard unter die Augen gekommen, das ich absolut passend finde:

Es gibt ja nur Gescheitertes. Indem wir wenigstens den Willen zum Scheitern haben, kommen wir vorwärts, und wir müssen in jeder Sache und in allem und jedem immer wieder wenigstens den Willen zum Scheitern haben, wenn wir nicht schon sehr früh zugrundegehen wollen, was tatsächlich nicht die Absicht sein kann, mit welcher wir da sind.

Thomas Bernhard

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15 Gedanken zu “Noch einmal Scheitern

      1. Auf den Grund gehen, absinken, sich fallen-/sich loslassen. Ins eigene Urchaos. Sich am Grund (des Flusses, des Strudels) abstoßen und neu zusammengesetzt aufsteigen … So irgendwie. Eine Art Initiation, aus Schmerz … eine Wende, eine Wandlung … Ob du damit etwas anfangen kannst?

      2. Bei mir gehört beim Zugrundegehen das Wiederauftauchen dazu, eigentlich … mit Vorbehalten natürlich (Sterben zB).

        Immer wieder faszinierend, wie wir Begriffe unterschiedlich besetzen.

  1. Ich frage mich ob scheitern auch damit zusammenhängt, dass das Scheffel zu hoch hängt?
    Es gibt auch in meinem Leben, da spüre ich Gescheitertes und gleichzeitig neue Wegöffnungen, nur nicht so, wie mein Konzept mir zunächst vorgaukelte, dass es so und nicht anders ausgehen müsste, ob der neue Weg deswegen erfolgreicher ist weiß ich dann auch erst wenn ich ihn gegangen bin, wenn er wieder nicht funktioniert, dann bin ich wieder gescheitert. Und somit wird mir klar, dass ich den Mut zum Scheitern aufbringen muss, wenn ich weiterleben will und das will ich…
    danke für den Gedankenanstoß!
    Herzlichst, Ulli

    1. Liebe Ulli, schön dich zu lesen. Du hast Recht, es ist sicher auch eine Balance zwischen Herausforderung und Überforderung, für die wir das Scheitern brauchen, das Zulassen des Scheiterns, sowohl um uns aus den zu hohen, oder einfach für uns und für diese Lebensphase unpassenden Ansprüchen zu befreien, als auch, um uns wieder neuen Aufgaben zu stellen. Das würden wir eben genau nicht mehr tun, wenn wir zugrunde gehen, bzw. wir würden zugrunde gehen, wenn wir das nicht mehr täten.

  2. sehr treffendes zitat. verstehe, was herr bernhard meint; ich versuchs mal mit meinen worten: wer nicht den mut hat zu scheitern, den hat der mut oft vorher schon verlassen. mit jedem schritt, den wir tun, ist ein scheitern möglich. (aber auch gelingen). nur wer los geht, sich auf (und offen macht), erfährt neu[es].

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