Freiheit und Schreiben

Sicher kein Zufall, dass ich nach den letzten Überlegungen und den wertvollen Kommentaren, gerade ausgerechnet auf dieses Zitat gestoßen bin:

„Man könnte sagen, Schreiben heißt, sich gegen die Oberfläche eines Spiegels zu werfen, den Körper am Glas zerschmettern und im Silber des Spiegels verschwinden zu lassen, ohne sichtbare Verletzungen davonzutragen. Ich würde sagen, diese Freiheit gleicht keiner anderen Freiheit.“

Sara Stridsberg

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Annehmen der Begrenztheit

Vielleicht könnte das ein Ausweg sein; mehr Verantwortung für mich selbst übernehmen und dem Schreiben wieder seine Freiheit lassen.

Grenzen

Seit wann habe ich eigentlich Angst vor Herausforderungen? Waren das diese Fälle bei fixpoetry und Signaturen, wo ich gescheitert bin? Habe ich mich davon nie richtig erholt? Einerseits ist es gut, dass ich kein Muster, kein erlerntes Schema habe, mit dem ich an die Kritiken herangehe, das ermöglicht mir eine gewisse Offenheit, und damit die Chance, im besten Fall andere, zusätzlich erhellende, Perspektiven anzulegen. Andererseits fehlt mir immer wieder der Halt, den das Handwerk mir verleihen könnte. Eine gewisse professionelle Sicherheit, die mich davon bewahren könnte, naive Fehler zu machen. Bedeutsames schlicht nicht zu erkennen.

Die Lösung kann wohl immer wieder nur sein, die eigenen Grenzen zu kennen und trotzdem an sich zu glauben, sich jedenfalls ernst zu nehmen in dieser Beschränktheit. Und dann den Mut zu haben, es zu zeigen. Wohlwissend, das wird nicht allen gefallen. Aber vielleicht gibt es einige wenige, denen es etwas bedeutet, die es vielleicht sogar ermutigt.

Falten

Falten, Entfalten. Es ist vermutlich kein Zufall, dass ich letzten Sonntag, in dieser Ausstellung gelandet bin. Einer Ausstellung, die nicht zuletzt von der Schönheit und den erstaunlichen Möglichkeiten des Faltens, der Falten, die Tiefe verleihen, erzählte.

Vielleicht ein weiterer Schritt, auf dem Weg zu begreifen, warum Alter und Scheitern bei mir in einem Text zusammen gefunden haben.: Ich glaube, ich habe unbewusst so ein vertracktes Denkmuster, das mir einredet, ab einem gewissen Alter darf man keine Fehler mehr machen, loslaufen, hinfallen, aufstehen gilt nur bis zu einem gewissen Alter. Dabei steckt in Wirklichkeit in den Falten vielleicht auch das Fallen, das sich fallen lassen.

Noch einmal Scheitern

Bei meinem ersten Eintrag nach langer Zeit, war es scheinbar insbesondere der Begriff „Scheitern“, der aufgegriffen und diskutiert wurde. Ich hatte dazu ein Zitat von Louise Bourgeois im Kopf, das ich aber seit Tagen nicht wiederfinde. Nun ist mir aber durch Zufall ein Zitat von Thomas Bernhard unter die Augen gekommen, das ich absolut passend finde:

Es gibt ja nur Gescheitertes. Indem wir wenigstens den Willen zum Scheitern haben, kommen wir vorwärts, und wir müssen in jeder Sache und in allem und jedem immer wieder wenigstens den Willen zum Scheitern haben, wenn wir nicht schon sehr früh zugrundegehen wollen, was tatsächlich nicht die Absicht sein kann, mit welcher wir da sind.

Thomas Bernhard