Schneewittchen

Schneewittchen glaubte an Märchen
die ihr niemand erzählte
weil außer dem Spiegel
keiner mit ihr sprach

Sie pflanzte Rosen an
weil sie hoffte
so könnte sie der Prinz für Dornröschen halten

Aschenputtel für sieben Kleinwüchsige
zu spielen
schien ihr nicht erstrebenswert

wer will schon den Frühling abwarten
wenn die Lust auf Liebe in den Winter schneit
und in Schneewittchens Gesicht
war immer Winter
weiß wie Schnee
aber mit drei Tropfen Blut
wenn das keine Drohung war

Aber sie glaubte ja an Märchen
so sehr
dass sie Frösche küsste
und niemals vom Weg abkam
um Blumen zu pflücken
und nicht mit ihrem Spiegel sprach
dem einzigen
der ihr wirklich etwas zu sagen gehabt hätte

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Angst

Es ist gefährlich keine Angst zu haben.

Neulich auf dem Rückweg von B.O. auf der Autobahnabfahrt kam ein Wagen im Rückwärtsgang auf uns zu. Es dauerte beunruhigend lange, bis er auf M.´s anhaltendes Hupen reagierte, und vorwärts weiterfuhr. Trotzdem hatte ich keine Angst. Oder jedenfalls nur theoretisch. Ohne sie zu spüren.

Altern

Das beherrschte Suchen nach Hilfe. Möglichst zurückhaltend. Lautlos. Dieses Paradoxe, aus dem sich manche eine Decke weben können, die warm hält. Oder wenigstens eine Textur. Etwas, das Halt gibt. Vielleicht sogar eine Zeit lang der Verzweiflung standhält.

Seit einigen Monaten zeige ich niemandem mehr, was ich schreibe. Ich frage mich nicht warum. Oder ich suche jedenfalls nicht nach einer Antwort auf diese Frage.

Ich suche nach einer Möglichkeit, anständig, selbstbewusst, mit Würde, zu altern. Ich suche (immer noch!) nach Vorbildern. Ich bin müde von mir selbst und der Unmöglichkeit, mir mein Scheitern wirklich restlos einzugestehen. Ohne dieses Eingeständnis gibt es keine Entwicklung. Nur Stillstand. Und Bedauern. Weniger Erinnerungen als vielmehr Nostalgie. Keine Verzweiflung, nur diese alles vereitelnde Müdigkeit.