Armut

Armut, das musste ich mir erst einmal klar machen, ist in diesem Fall keine Metapher, keine philosophische Frage, nach den wirklich bedeutsamen Werten im Leben, sondern eine knallharte, die Existenz bedrohende, oder zumindest bestimmende, Tatsache.

Die es unmöglich macht, neue Schuhe zu kaufen, wenn die alten kaputt sind, sich gesund zu ernähren, oder die Miete pünktlich zu zahlen.

Ganz zu schweigen von der sogenannten „Teilhabe am sozialen Leben“, sprich von Kino- oder gar Theaterbesuchen, Konzerten, oder wenigstens einem Nachmittag im Café.

Und obwohl ich nicht im Geld schwimme, merke ich, wie abstrakt diese Überlegungen für mich sind. Wie wenig ich mir eine derart belastende und Möglichkeiten, und damit Freiheiten, einschränkende Situation wirklich vorstellen kann.

Ist es wirklich die Hemmung, übergriffig zu handeln, wenn ich von etwas zu schreiben versuche, das mir so fremd ist, oder ist es vermeintlicher Selbstschutz, eine Art die Augen vor Zuständen zu verschließen, die mir Angst machen, die mich ein ums andere Mal daran hindern, eine Geschichte für dieses Projekt beizusteuern? Was weiß ich von dieser wirklich bedrängenden Art von Armut? Würde es etwas ändern, wenn ich mehr davon wüsste? Fühle ich mich verpflichtet, zu handeln, oder würde es für den Anfang genügen, genau hinzusehen?

Es tut mir leid, aber mehr als diese Fragen und Überlegungen kann ich im Moment nicht beisteuern.

Die Überlegungen beziehen sich auf die Idee von Sofasophia Geschichten von und für ausgegrenzte und arme Menschen zu schreiben, um den eventuellen Erlös genau ihnen zukommen zu lassen.

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