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Kerstin Eckstein
Kerstin Eckstein

Was, wenn die Sätze denken? Eigenständig und mit dieser Art von Unabhängigkeit, um die ich mich so lange schon erfolglos bemühe? Wenn die Sätze sowohl klug als auch unbeschwert sind? Und weitere Sätze mit einer fraglosen Selbstverständlichkeit nach sich ziehen, ungeachtet dessen, was derjenige, der sie schreibt, preisgeben möchte. Wenn sie ihm rücksichtslos die eigene Eitelkeit austreiben?

Und wenn niemand diese Sätze liest, verlieren sie dann ihre Gültigkeit? Oder ermöglichen sie überhaupt erst den Gedanken an Gleichgültigkeit? Was wenn die Sätze selbstbewusst denken und alles in Frage stellen, ohne sich um Antworten zu bemühen? Diese Art von Antworten, die beruhigen sollen und besänftigen.

Entsteht dann große Literatur?

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13 Gedanken zu “01

  1. Auf alle Fälle entsteht Nachdenkenswertes und auch Literatur, wenn ich diese Sätze lese. Muss den Literatur groß sein und wer entscheidet, ob sie es ist … so viele Fragen!
    danke und herzliche Grüße, Ulli

  2. sätze, die beunruhigen und ungeheuer faszinieren. sätze, die alles in frage stellen, die fragen stellen. genau das ist es, was mich am schreiben, an literatur interessiert und fasziniert. eine philosophie der worte.. danke!

  3. Kann dann? Ja. Ich glaube, wirklich Großes entsteht ohne die Absicht, Großes schaffen zu wollen. Weil wirklich Großes erst groß wird, weil es in sich selbst diese Größe schon trägt.
    [Wahre Größe ist für mich allerdings vor allem Unspektakuläres, Lebenswertvolles, Absichtsloses …] Klingt paradox …

    Ein wunderbarer Text!

    1. mir fehlen ja oft die richtigen worte für deine texte. weil ich sie eher fühle und oft schmecke. sie sind immer so dicht, so schlüssig, so rund (oder auch eckig) hier ist es wieder so, dass du mit den worten auch den inhalt schaffst. deine sätze sind lebendig, führen ein eigenleben.
      meine sprache sind eher die bilder. dieses hier hatte ich sofort im kopf, als ich den text las. 🙌

  4. der satz ist wichtig, nicht dass er gelesen wird, wenn es anders wäre, gäbe es überhaupt keinen James Joyce, keinen Samuel Beckett und auch keinen Sandor Marai, sie schrieben, weil sie schreiben mussten und nicht weil sie an jemand anderes dachten, es gibt niemanden anderen, wenn man schreibt.

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