Bartolomé Esteban Murillo

The Young Beggar, c.1650 (oil on canvas) by Murillo, Bartolome Esteban (1618-82) 

Ich war lange weg hier, aber jetzt habe ich wundervolle Bilder gefunden, die ich dann doch teilen möchte. Seine „Buben beim Würfelspiel“ haben mich sofort in den Bann gezogen. Insbesondere dieser Ausschnitt:

Ausschnitt aus Murillos: „Buben beim Würfelspiel“

Bartolomé Esteban Murillo, 1617 als vierzehntes Kind eines Barbiers und einer Goldschmied Tochter geboren, und 1682 angeblich beim Sturz von der Leiter während der Arbeit an einem Deckenbild gestorben, war der bedeutendste Barockmaler Spaniens. Sein 400. Geburtstag war Ausgangspunkt für eine Reihe wunderbarer Ausstellungen in seiner Geburtsstadt Sevilla.

Murillos Eltern starben als er selbst noch ein kleiner Junge war. Daraufhin übernahm seine Schwester Ana die Erziehung von Bartolomé. Bereits mit 13 Jahren begann er eine Lehre bei dem Maler Juan del Castillo, der wiederum eng mit Alonso Cano befreundet war. Diese beiden Maler übten einen wesentlichen Einfluss auf Murillo aus. Von ihnen lernte er das Zeichnen, die Komposition der Bilder.

1642 lernte Murillo in Madrid den Maler Velásquez, sowie den Stil flämischer und italienischer Meister wie Tizian, Caravaggio, Rubens und van Dyck kennen.

Als Murillo in Sevilla zu malen begann, war das Sigl de Oro der Stadt vorbei. Die Stadt befand sich längst im wirtschaftlichen Niedergang. Hungersnöte und die Pest halbierten die Einwohnerzahl Sevillas. Die Armut wuchs. Soziale Spannungen bestimmten den Alltag der Stadt.

Murillo aber malte zwar die Armut, jedoch kein Elend. In seinen Bildern dominierte die Hoffnung, statt der Verzweiflung. Murillo malte die „Wahrheit“. Er verheimlichte weder Armut, noch Sterben und Verfall, aber er verlieh all diesen Phänomenen Würde und Schönheit.

Murillo entwickelte eine eigene Bildsprache. Die Figuren auf seinen Gemälden scheinen mit dem Betrachter zu sprechen.

Schon zu Lebzeiten waren Murillos Bilder sehr begehrt, und waren weit über die Grenzen Spaniens hinaus bekannt. Er war wohlhabend und konnte gut vom Erlös seiner Bilder und den Aufträgen für Kirchen und Bruderschaften leben. Dennoch blieben auch ihm Schicksalsschläge nicht erspart. 1664 starb seine Frau, die meisten seiner neun Kindern raffte die Pest dahin.

Zum 400. Geburtstag des Malers finden in Sevilla zahlreiche Ausstellungen statt, die Murillo ehren. Sein Hauptwerk besteht aus christlichen Motiven, so sind viele seiner bedeutendsten Werke auf Kirchenwänden zu finden.

Bartolomé Esteban Murillo leugnet Schmutz, Elend und Alter nicht. Aber er rückt diese Schattenseiten ins Licht göttlicher Gnade. Oder der menschlichen Nächstenliebe. Insofern ist er vielleicht nicht der schlechteste Maler, um sich in der Vorweihnachtszeit zurück zu melden.

 

 

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9 Gedanken zu “Bartolomé Esteban Murillo

  1. „Murillo aber malte zwar die Armut, jedoch kein Elend.“ Mir gefallen diese zwei Bildausschnitte sehr, und an diesem Satz mit der Armut und dem Elend bin ich hängengeblieben. Darüber denke ich jetzt nach. Über diesen feinen Unterschied.
    Danke für den Denkanstoß und die Bilder!

    1. Bei dem Druck, den ich gesehen habe, sind die Bilder noch weitaus schöner, hier sind die Farben längst nicht so kräftig und schön. Ich glaube, Murillo hat diese Menschen angesehen, er hat ihnen in seinen Bildern Würde gelassen, darum sind sie so besonders, und zwar traurig, aber nicht hoffnungslos.

  2. Nun habe ich durch dich einen „neuen“ alten Meister kennengelernt und habe mir gerade einige Bilder angeschaut, ich mag besonders die Lebendigkeit in ihnen und das, was du auch so wunderbar gesagt hast: ich sehe Armut, aber kein Elend!
    Hab herzlichen Dank,
    liebe Grüße, Ulli

    1. Die alten Meister, jedenfalls einige davon, wollte ich mir ursprünglich diesen Sommer in Amsterdam in Rijksmuseum anschauen, aber dann kamen die Schmerzen dazwischen. Vielleicht klappt es nächstes Jahr. und hoffentlich komme ich bald dazu, dir endlich zu antworten, und dir z.B. zu sagen, wie sehr ich mich das ganze Jahr lang über die Bilder in deinem Kalender gefreut habe.

      1. Alles ist gut, du bist immer wieder bei mir und viel mehr braucht es doch nicht, ich hab grad so meine eigene Gedanken zu all dem hier, hej, ich schreib dir die Tage, wenns stimmt…
        und jetzt sende ich dir eine Herzensumarmung…

  3. Ein wunderbarer Blog. Bis dato war mir dieser Maler nicht im Bewußtsein, auch wenn er mir gewiß schon einmal begegnet ist. Wenn ich, so Gott will, im nächsten Jahr einmal nach Sevilla komme, werde ich Ausschau nach ihm halten, Danke, Marie

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