Sisyphos

Ein Insekt, in Bernstein verewigt, gefangen, auf eine lebendige Art tot, während die auf dem Küchentisch liegen gelassene Uhr tickt, und ich wünschte, ich könnte die Ratschläge, die ich anderen gebe, selbst beherzigen. Beherzigen klingt wie Bergziegen. Bei Ziegen denke ich an die zwei kostbaren Besuche mit M. im Berliner Zoo und bei Berg an Sysiphos (den ich nie richtig schreibe) und seinen Stein, den er immer wieder, jedes Mal aufs Neue, vergeblich den Berg hinauf rollt. Vielleicht ist genau das ein Sinnbild für unser Leben; jeden Tag die Vergeblichkeit bezwingen, oder aber unsere Pflicht tun, Aufgaben annehmen, ausführen, von denen wir von Anfang an wissen, sie sind zum Scheitern verurteilt. Ist Sisyphos ein glücklicher Mensch (ich glaube Camus hat das behauptet), oder ist er bemitleidenswert? Ein Pechvogel? Ein Opfer? Und was ist das eigentlich für ein dämliches Wort „bemitleidenswert“. Als hinge das Mitleid von einem Wert ab. Erst ab einem bestimmten Wert von Unglück, Leid, Benachteiligung ergibt sich eine Berechtigung zum Mitleid, bedauert zu werden, sind andere aufgefordert, Mitgefühl zu zeigen.

Ich aber sage euch: keiner versteht den Schmerz eines anderen und doch: wer sich öffnet – dem Leid ebenso wie dem Glück, sich selbst ebenso wie die anderen – der wird belohnt werden.

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7 Gedanken zu “Sisyphos

    1. Danke für das Feedback. Ich mag das sehr, wenn einem auf einmal auffällt, was so ein Wort eigentlich aussagt, egal ob das dann merkwürdig ist oder ganz wunderbar. Also wenn die Sprache einen überrascht, und die Augen öffnet, das ist immer wieder schön.

  1. Ein Text voller Impulse, Gedankenfutter, Weiterdenkdinge.

    Vermutlich lässt sich niemals aufgrund von äußeren Umständen Sinn/Sinnlosigkeit oder Glücklichkeit eines Daseins bestimmen. Denn ich sage euch: Keine/r versteht auch nicht das Glück und das Sehnen anderer.

  2. Vergeblichkeit … darüber hast du schon viele Male geschrieben und immer wieder glaube ich nicht daran, auch wenn ich hier und da Vergeblichkeit kenne …

    1. Danke, dass du mich noch einmal explizit auf dieses Wort aufmerksam machst, „Vergeblichkeit“ ist ja ein tolles, sehr bedeutungsschweres und reiches Wort, wie mir gerade auffällt, darüber muss ich auch einmal schreibend nachdenken. Jetzt nur so viel, dass du mich mit diesem Satz an Sisyhos erinnerst, der ja auch nicht an die Vergeblichkeit geglaubt hat, und jeden Tag wieder seine Aufgabe erfüllte.

      1. Ich denke tatsächlich auch noch weiter darum herum … mehr ein anderes Mal … und deine Post wird jetzt auch baldmöglichst beantwortet, ich hinke schon wieder hinterher, sorry!

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