Angst

Ein neu gewebter Vorhang aus Schatten, hinter dem die Bilder jegliche Reihenfolge auslöschen und endlich nichts mehr bedeuten, weil sie nicht miteinander verbunden sind. Weil ein seltsames (unverständliches) Assoziationsgesetz sie trennt und auflöst, während dem Verstand nichts übrig bleibt, der narkotisierenden Schlaftablette zu folgen, (sich auslöschen zu lassen) damit er Morgen mit jäh erwachter, grunderneuerter Vernunft allem (und besonders sich selbst) entgegen treten kann.

Heute spüre ich sehr deutlich die Angst, wie ein ausschwärmender Ameisenhaufen breitet sie sich in mir aus, vom Kopf gesteuert fließt sie durch die Nervenbahnen, erfasst den Körper, bis nach und nach alles gelähmt ist, die Bewegungsfähigkeit, insbesondere aber die Fähigkeit zu denken zum Erliegen kommt. Stillstand. Dann hat die Angst ihr Ziel erreicht.

Häufig ohne dass ich sie zuvor recht wahrgenommen habe. Ich verwechsele sie häufig. Mit Einsamkeit, mit Traurigkeit, mit einem generellen Unvermögen meinerseits mein Leben zu meistern. An mich zu glauben. Als wäre ich nur das, was andere in mir sehen, oder nur das, was ich leiste. Und wenn das immer weniger wird, lösche ich nach und nach aus, wie eine Kerze, der der Sauerstoff entzogen wird.

Wenn die Angst wütet, ohne dass es mir gelingt sie wahrzunehmen, sie als Angst zu identifizieren, feuert sie verletzende und verunsichernde Gedanken ab, wie ein Schnellfeuergewehr. Sie verwundet mich, sie schwächt mich so sehr, dass ich mich nicht wehren kann. Die Angst löscht die Vorstellung von Mut aus.

Dabei möchte sie nur wahrgenommen werden, gespürt. Aber statt dessen räume ich auf, kaufe ein, fange tausend Texte und Projekte an, und wundere mich, warum ich mich weder konzentrieren noch beruhigen kann. Nur immer wieder murmeln: ich habe Angst. Ohne sie zu spüren.

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