Aufrichtigkeit

Es gelingt mir nicht, mir so lange selbst Fragen zu stellen, bis ich das Gefühl habe wenigstens in die Nähe von Aufrichtigkeit zu kommen. Es gelingt mir auch nicht, ehrlich und echt zu sein, ohne mich vorher zu fragen, wie dieses Verhalten bei meinen Mitmenschen ankommen wird. Es ist als würde mir das, was wir gemeinhin „ich“ nennen, nicht gelingen, während ich es andererseits nicht los werde. Es holt mich ein, stellt sich mir in den Weg, will ebenso beachtet wie überwunden werden, und eigentlich passiert alles mögliche mit diesem „ich“, außer dass es sich in meinen Dienst stellen lässt, mit mir zusammen arbeitet. Es verhindert, um es kurz zu machen, jegliche Absichtslosigkeit.

Wäre ich ein Roman, bestände ich aus unzähligen Anfängen, unzusammenhängenden Fragmenten, und gleichzeitig wäre in jedem Satz dieser Wille unüberhörbar, alles abzudecken, alles nicht nur richtig, sondern auch lückenlos vollständig zu machen.

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