Trennung

Die Trennung, die scheinbar unüberwindbare Einsamkeit, unter der ich unterschwellig ständig leide, wird aufgehoben durch die Literatur. Ich habe das Gefühl, jemanden zu kennen, Zusammenhänge zu begreifen. Und wieder ist es die Form, die mich aufhebt, und wo kein Ich ist, kann auch keine Trennung sein. Indem ich als Leser die Fäden sehe, werde ich selbst zu einem Faden im Geflecht, ich gehöre dazu. Ich bin weder mit meiner Angst, noch mit meiner Getrenntheit und Einsamkeit allein.

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12 Gedanken zu “Trennung

  1. Das hast du schön gesagt, ich kenne das auch. (Ich mache mir in letzter Zeit gelegentlich Gedanken wie ich eigentlich an meinen Erstberuf gekommen bin und ich vermute, dass auch dieses Phänomen da mit reingespielt hat.)

      1. Es passt und das wird mit ein Grund sein warum ich mich damit beschäftige. Ich hinterfrage gerade warum ich das damals wollte, warum ich das geworden bin, weil es eigentlich – für einen Schreiber – ein eher statischer Beruf ist. Als Archivarin oder so wäre meiner Schreiberseele im Nachhinein wohl eher entgegen gekommen, weil das nicht so hermetisch ist in dem Sinne davon, dass man quasi in die Literatur gesperrt ist. Wenn man als Archivar inspiriert wird durch das mit dem man arbeitet ist es ja nichts aus dem eigenen Metier, das ist (empfinde ich für mich so) freier. Außerdem werden möglicherweise einige Blockaden und Egostolperfallen in meiner „Karriere“ von diesem Beruf herrühren. Ich habe ihn gern gemacht, dennoch.

      1. Diese Wahrnehmungen, beide … aber ich kenne mich eigentlich damit zu wenig aus. (Manchmal denke ich so: Es ist doch eh alles nur eine Momentaufnahme. Bin ich wirklich getrennt oder bin ich wirklich eins? Und was ist wirklicher … so irgendwie.)

  2. Ich trenne ja nicht zwischen Wirklichkeit, Illusion (oder Virtualität). Die Reaktionen auf Literatur, auf Figuren darin, auf Geschehnisse, unterscheiden sich nicht (ich kann das nur für mich so behaupten) von Reaktionen auf die „reale“ Realität, die mich umgibt. Für mich ist „fiktive“ Realität lebensnotwendig, und ja, sie sprengt auch das Gefühl von Einsamkeit.

    1. Hm, ich bin mir nicht sicher, ob ich da vorbehaltlos zustimmen kann. Für mich unterscheidet sich vielleicht nicht die erste Reaktion, aber im Verlauf ist der Unterschied da, weil ich mich nicht verpflichtet und verantwortlich fühlen muss, für die Personen, insofern ist Lesen häufig sehr viel einfacher als Leben 😉

      1. Ich muss nicht mit den Figuren handeln, oder wie sie handeln, das ist für mich die einzige Einschränkung. Aber verpflichtet und verantwortlich fühle ich mich für die Protagonisten schon. Insofern, dass ich ihnen nachempfinden kann, mich mit ihrem Schmerz, ihrer Freude, ihren Wünschen und Sehnsüchten identifizieren.

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