Dehnungsschmerz

Ich würde die Fragen, die mich quälen, gern Fragen sein lassen, und nur denen nachgehen, die mich irgendwohin führen. Hauptsache weg von mir. Und von richtig und falsch, in eine Gegend, in der das Schreiben mich berauscht, der Zensor untergeht in der Flut der Worte, in der ich mich mitreißen lasse, leicht werde, zum Gebrumm einer Fliege werde, die im Zimmer umherirrt, plötzlich doch den Weg ins Freie findet und zurück bleibe ich, erleichtert von meiner Angst. Eine Spur auf dem Weg, ein Fußabdruck im Schnee, eine eine Million mal wiederholte Frage, das Vergessen sämtlicher Pflichtgefühle und Glückseeligkeiten. Eine, die die Schönheit der Momente immer erst im Nachhinein erkennt, weil es sonst schlicht unerträglich wäre.

Heute ist Sonntag, der 27. Mai, ein stiller sonniger Tag mit ein, zwei Gewittern. Mit Fragwürdigkeiten und Unzulänglichkeiten, mit dem Hang zur Abstraktion und der Tendenz, die Details zu übersehen. Mit der Sorge, um mein Kind und dem ständig anwesenden Dehnungsschmerz.

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13 Gedanken zu “Dehnungsschmerz

      1. Gut. Das finde ich gut. Ein Schmerz kann vom der Ursache her so unterschiedlich sein, und doch verursacht er die gleichen Leiden. Leid ist nämlich Leid. Und niemand hat das Recht, so etwas zu bewerten. Insofern ist das ‚irgendwohin‘ niemals eine Floskel. Doch um die Ursache für einen Schmerz heraus zu finden muss man schon mehr wissen, als ich es jemals vermag. Sicher, man kann Glück haben, aber das ist nur Zufall, zumal, wenn man die Person nicht kennt. Man sollte die genauen Umstände wissen um diese Person und was vorgefallen ist. Dann könnte man eine Prognose wagen. Denn der Schmerz zeigt immer an, das etwas nicht richtig ist. Das ist seine Funktion. Und wenn man weiß, wo so ein Schmerz herkommt, dann kann er eine Person dahin führen, wo sie den Schmerz beseitigen kann. Und insofern wird der Schmerz dich ‚irgendwohin‘ führen. So schwierig ist das doch gar nicht, oder?

      2. Ich verstehe jetzt besser, wie du es gemeint hast, dankesehr. Anders gesagt vielleicht: Schmerz als Seismograf eines Ungleichgewichts, dessen Auflösung uns weiterbringt … ja, gut möglich.

      1. Ich würde es auch so sehen: Das Folgen fällt häufig schwer. Und man sieht es nicht auf Anhieb.

  1. Aber ist der Dehnungsschmerz einer werdenden Mutter (ich hoffe, ich habe das nicht falsch verstanden?) nicht positiv belegt? Immerhin zeigt er an, dass das Kind in ihr wächst. Ist es nicht auch (ein wenig) Anlass zur Freude?
    Oder bleibt Schmerz immer Schmerz, egal, welche Ursache er hat?

    1. Ich habe etwas anderes gemeint, aber deswegen hast du das nicht falsch verstanden, ich habe mich nur nicht genau genug ausgedrückt. Ich kann mich ehrlich gesagt auch gar nicht daran erinnern, dass es weh getan hat, als der Bauch immer größer wurde, der Schmerz war da während der Schwangerschaft, aber nicht so, dass ich ihn als Dehnungsschmerz empfunden hätte. Ich habe das in einem übertragenen Sinn gemeint, der Schmerz, der darin liegt, dass man den Kindern ermöglichen muss, sich immer weiter zu entfernen, also wäre vielleicht Trennungsschmerz der treffendere Begriff gewesen. Vielen Dank für Deinen Kommentar, der mir das verdeutlicht.

      1. Interessant, das impliziert ja, dass man deinen Text auf zweierlei Weise lesen kann: Einmal mit Bezug auf den Beginn der Mutterschaft und einmal mit Bezug auf deren „Ende“ – wenn die Kinder selbst zu Erwachsenen werden.

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