Dehnungsschmerz

Ich würde die Fragen, die mich quälen, gern Fragen sein lassen, und nur denen nachgehen, die mich irgendwohin führen. Hauptsache weg von mir. Und von richtig und falsch, in eine Gegend, in der das Schreiben mich berauscht, der Zensor untergeht in der Flut der Worte, in der ich mich mitreißen lasse, leicht werde, zum Gebrumm einer Fliege werde, die im Zimmer umherirrt, plötzlich doch den Weg ins Freie findet und zurück bleibe ich, erleichtert von meiner Angst. Eine Spur auf dem Weg, ein Fußabdruck im Schnee, eine eine Million mal wiederholte Frage, das Vergessen sämtlicher Pflichtgefühle und Glückseeligkeiten. Eine, die die Schönheit der Momente immer erst im Nachhinein erkennt, weil es sonst schlicht unerträglich wäre.

Heute ist Sonntag, der 27. Mai, ein stiller sonniger Tag mit ein, zwei Gewittern. Mit Fragwürdigkeiten und Unzulänglichkeiten, mit dem Hang zur Abstraktion und der Tendenz, die Details zu übersehen. Mit der Sorge, um mein Kind und dem ständig anwesenden Dehnungsschmerz.