Entzauberung

Früher gab es auch keine leitenden Fragen, kein größeres Selbstbewusstsein, keinen unbedingten Glauben an mein Talent. Aber es gab die Leidenschaft und die Liebe zur Poesie. Die Verzauberung all derer, die Poesie zustande brachten, statt der Entzauberung des Betriebs.

Das neue Knausgard Buch ist da. Der letzte Teil, und damit all die Interviews, Berichte von der Lesereise. Frankfurt, Berlin, München. Und ich erinnere mich, wie ich nach längerem Widerstand schließlich mit dem dritten Teil angefangen habe, „Spielen“, und was für ein befreiendes, Mut machendes Gefühl es war, diese so ganz andere (sehr einfache, scheinbar aufrichtige, intime und unverstellte) Art von Literatur zu lesen, während ich mir einen Platz unter den Intellektuellen im Literaturbetrieb erarbeitet hatte. Während ich da, ständig überfordert, am Rand agierte, und sich von besprochenem Buch zu besprechenden Buch, alles zunehmend falsch anfühlte. Ich fehl am Platz, eine, die nur so tut als ob, aber keinen Mut hat, die Maske abzulegen.

Fragmente

Die Fragmente. Und diese unbegreifliche Angst davor, sie zusammen zu fügen.

Vieles scheint noch wie früher, obwohl es längst ganz anders ist. Und was weh tut, ist weder das früher, noch das jetzt, sondern dieses dazwischen hängen. Diese Zerreißprobe.

Die Trennung, die ja da ist von Anfang an. Überspielt. Eine Zeitlang geht das gut. Aber dann. Die Wunde bricht erneut auf, die Brücke (aus Liebe, aus Bedürftigkeit, aus Leichtsinn?) stürzt ein. Der Abgrund. Das ist man selbst. Dieses Puzzleteil, das nicht weiß, wohin es gehört, das aus jeglichem Zusammenhang gefallen ist. Isoliert. Sinnlos. Allein.