Narbenschmerz

Sehr früh geht das Kind aus dem Haus. Das Kind, das das Gymnasium besucht, das ihr in vielen Bereich intellektuell längst überlegen ist. Das Kind, das immer wieder einmal einen Ausflug zurück in die Kindheit versucht, um dann festzustellen, es holpert und stolpert, da stimmt so vieles nicht, dass es bald ganz von allein damit aufhören wird. Und sie ist dieses „zurück“, das Zurück in die Kindheit, zurück in das Zuhause, das das Kind, das jeder Mensch, in jedem Alter, immer noch braucht.

Eine Zeitlang war diese Loslösung, dieses Abschied nehmen, eine offene Wunde. Es tat weh und sie wusste genau, warum. Und dass es so sein musste, wusste sie auch. Irgendwann hat sich eine zarte neue Haut gebildet über der Wunde. Was jetzt weh tut, ist eine Art Narbenschmerz, der vermutlich weder vergeht noch verheilt.

Sie hebt noch einmal die Hand. Das Kind verschwindet im frischen vielversprechenden Morgen, und sie trottet müde ins Haus zurück.

 

 

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2 Gedanken zu “Narbenschmerz

  1. Fürs Kind dieses „zurück“ zu sein, während man selbst doch vorwärts lebt – das führt wahrlich zu schweren Verwerfungen und ist für beide Seite nicht leicht auszuhalten.

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