Form

Das, was mir zunächst als Erleichterung, als Öffnung für alles Mögliche, erschien, erweist sich zunehmend als Schwierigkeit. All die Eindrücke, Erlebnisse, Entdeckungen, Gedanken prasseln einfach so auf mich herein, ohne dass ich Zeit finde, sie nieder zu schreiben. Und das liegt nicht zuletzt daran, dass mir der Faden fehlt, an dem ich die Erlebnisse aufreihen könnte, die Form eben, die es mir ermöglichen könnte auszuwählen und anzuordnen, etwas zu erkennen in dem scheinbaren Chaos. Somit erweist sich wieder einmal, dass es Zufälle eigentlich nicht gibt, dass ich hier schon seit einiger Zeit über Form nachdenke, bevor ich realisiert habe, dass sie mir fehlt. Formen und Grenzen und die Bewegungen dazwischen.

Form ist ja nicht zuletzt eine Möglichkeit, den Zweifel in Schach zu halten. So weit jedenfalls, dass er Worte finden kann und sich nicht auf Lähmung und Angst beschränkt. Und die mir angemessene Form zu finden könnte helfen, diese lineare, funktionelle, ergebnisorientierte Denkweise zu ändern, wirklich zu begreifen, dass es nicht darum geht, Aufgaben zu erfüllen, Rätsel zu lösen, und dann bist du am Ziel, wirst belohnt, hast es geschafft. Es geht vielmehr darum, in Bewegung zu bleiben, ständig bereit, sich zu verändern. Dann kannst du alles loslassen und trotzdem damit in Verbindung bleiben.

Und eine Form ist nichts Feststehendes, nichts endgültig Unveränderliches, eher so etwas wie eine flexible Grenze innerhalb derer Entwicklung und Veränderung stattfinden kann.

Der Künstler bringt einen Gedanken, eine Idee, ein Gefühl, in eine bestimmte Form. Und dann lässt er los. Was der Betrachter sieht, was er fühlt, begreift und zu verstehen glaubt, entzieht sich dem Einfluss des Künstlers, die Form legt nicht fest, sie stellt vielmehr einen Raum zur Verfügung, in dem Entfaltung stattfinden kann.

 

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