Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

Als ich angefangen habe zu bloggen, vor langer, langer Zeit, und auf einer anderen Plattform, war da einfach die Aufregung, gelesen zu werden, Texte von mir zu zeigen. Später dann, mit der Mützenfalterin, war es meine Begeisterung für Künstler, Kunstwerke, für Literatur und Sprache, die ich teilen wollte, in den letzten Jahren zunehmend meine eigene Hilflosigkeit und Traurigkeit. Das fühlte sich nie wirklich gut an und nach und nach kam dann alles zum Erliegen, ohne dass ich wirklich gewusst hätte warum, ohne dass ich diesen Dreischritt, der jetzt hier niedergeschrieben steht, verstanden oder gesehen hätte.

Dann habe ich vor einiger Zeit wenige mysteriöse Sätze über „Ein wenig Leben“ von Hanya Yanagihara auf dem Blog Lesesaal gelesen, und gestern habe ich das Buch selbst zu Ende gelesen. Ein Buch, das, so deutet es Iris in ihrem Blog ganz richtig an, sprachlos macht, und mich so begeistert hat, wie schon lange nichts mehr. Es ist mir tatsächlich so ergangen, wie es in vielen Rezensionen zu diesem Buch steht, ich bin voll und ganz eingesogen worden von der Welt des Buches. Ich habe nicht begriffen, dass „Ein wenig Leben“ übertreibt (obwohl es im Nachhinein sehr offensichtlich ist), dass es auch ein Experiment ist, über das Nichterzählen zu erzählen, über die Sprachlosigkeit und über das Schweigen der Männer, die häufig einfach keine Worte finden für das, was sie empfinden. Ich habe mich nur gewundert, wie ich mich so gefangen nehmen lassen konnte, wie ich so eingetaucht bin in das Buch, und tatsächlich regelrecht von ihm verschlungen wurde.

Aber es hat mich auch mit einer fast vergessenen Begeisterung versorgt und mit der Lust, davon zu erzählen.

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19 Gedanken zu “Ein wenig Leben – Hanya Yanagihara

  1. Der Roman wird gerade beim NDR in der Sendung „Am Morgen vorgelesen“ vorgelesen. Ich war etwas skeptisch, ob das was für mich ist, bin aber schon nach der ersten halben Stunden komplett gepackt gewesen. Du bist ja jetzt schon durch mit dem Roman, aber ich hab den größten Teil noch vor mir und bin natürlich weiter sehr gespannt.

  2. Nicht wahr, man möchte selbs so geschrieben haben, oder? Oder die Frau sein, die gerade in Leipzig diesen Buchpreis bekommen hat, oder?
    Achach…ich wunderte mich sehr, als Volker Weidermann öffentlich erzählte, dass er beim Lesen von „Ein wenig Leben“ mehrfach geweint habe.-
    Gruß von Sonja

    1. Das Sonderbare ist, Sonja, dass ich bei Werken von denen ich wirklich begeistert und zutiefst beeindruckt bin, keinerlei Neid verspüre. Aber vielleicht hast du das auch gar nicht gemeint, vielleicht meintest du so eine Art Wehmut, eine Art Sehnsucht, auch etwas zu schaffen, dass sehr viele Menschen berührt. Und das kann ich nachvollziehen.
      Witzig, dass du das Weinen erwähnst. Ich war erst kürzlich auf einer Lesung von Marcel Beyer, dessen Buch „Das leer geweinte Jahrhundert“ im nächsten Monat erscheint, und er beschäftigt sich darin mit den Tränen, dem Weinen als Form der Kommunikation.

    1. Deinem zweiten Satz muss ich entschieden widersprechen. Es gibt Sprachlosigkeit. Auf der einen Seite, der Seite der Angst, solche, die verhindert, dass Heilung eintritt, die Missverständnisse befördert und Ohnmacht und Leid. Und auf der anderen Seite, der der Liebe, solche, die jegliche Art von Sprechen überflüssig macht.

      1. Ich unterscheide zwischen Kommunikation und Sprache. Kommunikation kann auf viele Arten geschehen und man kann tatsächlich nicht nicht kommunizieren. Sprachlos bin ich hingegen recht oft.

    1. Das solltest du unbedingt tun, denn ich habe an vielen Stellen an dich gedacht, ich habe ja diese Schwäche immer wieder nach mir und nach meinen Schwierigkeiten und Problemen zu suchen in Büchern, um sie möglicherweise lösen zu können, Lösungsansätze zu finden, und ich habe mich an vielen Stellen gefunden, ich glaube, du könntest dich womöglich auch an einigen Stellen wiederfinden. Jedenfalls würde ich mich freuen, die Lektüre mit dir teilen zu können, so wie damals bei unserem Treffen die Lektüre von Knausgard.

  3. Der Roman liegt hier, noch eingeschweisst. Mir fehlt die Traute, ihn auszupacken. Halte mir Ohren und Augen zu, lese keine Kritik. Ich warte. Immerhin sind es 900 ungrad Seiten. Ein Berg. Bammel, dass mir die Luft ausgeht beim Aufstieg. Oder, gelangweilt, gepeinigt von Redundanzen, abbreche.

    1. Ich kenne dich ja eigentlich gar nicht, Achim, von daher ist es mir bewusst, dass es ein wenig anmaßend erscheinen könnte, wenn ich jetzt schreibe, dass deine Angst vor Redundanzen und Langeweile wirklich unbegründet ist. So einen Sog hat schon lange kein Buch mehr auf mich ausgeübt. Ich hoffe, du beginnst die Wanderung bald und schreibst dann von deinen Erfahrungen beim Aufstieg.

  4. Ich habe nun schon viel über dieses Buch gehört und gelesen und irgendwann werde ich es wohl auch lesen, ich bin u.a. neugierig wie sich die Sprachlosigkeit in Worte kleidet-
    Ich freue mich immer über deins, gerade weil du auf deine ganz eigene Art Worte findest, um das auszudrücken, was schwierig oder sperrig oder eigentlich wortlos ist, so vieles durfte ich in den letzten Jahren (auch) von dir lernen und dafür möchte ich dir an dieser Stelle einmal danken.
    Herzlich grüsse ich dich, liebe Elke,
    Ulli

    1. vielen herzlichen Dank für Deine gewohnt warmen Worte, Ulli. Ich bin ganz gerührt und glücklich, dass auch nach so langer Sprachlosigkeit meinerseits hier, gleich wieder so viele Menschen hier aufgetaucht sind, und ihre Kommentare hinterlassen haben.

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