Webmuster

Die Zeit floss (zerfiel zu Staub), ohne irgendeinem Zusammenhang zu folgen. Willkür und Chaos. Ich stand da in der Mitte des Zeitstrudels, in dem die Pfeile der Vergangenheit mich immer wieder zielsicher an den schmerzendsten Stellen trafen, und versuchte die Fäden wenigstens festzuhalten, wenn ich sie schon nicht ordnen konnte.

Ich dachte an Penelope, die immer die Übersicht über die Fäden behalten hatte, Webmuster, Schiffchen, an die Wiederholungen, das ständig gleiche Spiel von Tag und Nacht, Weben und Auftrennen, und dass das alles ein Täuschungsmanöver sein sollte. Eine List. Ich hatte das Gefühl, dass diese Deutung ihr nicht gerecht wurde. Meiner Heldin Penelope nicht gerecht wurde.

Sie hatte eine Vision. Eine genaue Vorstellung, wie die Zukunft sein sollte. Aber manche Fäden (der nicht zurückkehrende Mann, der immer eigensinniger werdende Sohn, die politischen Verhältnisse…) schossen quer, zerstörten das Muster, und sie begann von Neuem. Vielleicht war sie nicht bereit, Fehler zuzulassen, Löcher, vielleicht wollte sie sich aber auch nur selbst beschützen, mit einer Geschichte über ihr Leben, die niemals ganz der Wahrheit entsprach.

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