Tempo

Ich bin zu langsam. Und ich werde immer langsamer. Das macht mir manchmal Angst, manchmal finde ich es einfach nur schade, und fast die ganze Zeit wundere ich mich, warum das so ist. Wann das so geworden ist und ob es jetzt für immer so bleiben wird. Für eine Rezension, die gestern auf Signaturen erschienen ist, habe ich fast drei Monate gebraucht, ich habe den Band immer wieder gelesen, um doch noch irgendeinen Zugang zu finden, der über das Erkennen eines perfekt beherrschten Handwerks und einer großen intellektuellen Kraft hinaus geht. Es ist mir nicht gelungen. Was aber blöder ist als dass ich „Lehrgedichte“ nicht als solche erkenne, nachdem Daniela Seel diesen Begriff auf FB für Cojocarus Gedichte vorgeschlagen hatte, leuchtete dieses Etiket mir sofort ein, ist die Tatsache, dass ich die angeblichen „Fakten“, die ich in der Besprechung untergebracht hatte, nicht belegt habe. Das ist dumm und es wird mir eine Lehre sein.

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20 Gedanken zu “Tempo

  1. Ich frage mich gerade ob es überhaupt Sinn macht Bücher besprechen zu wollen, zu denen man nicht wirklich einen Zugang hat? Und ob dies auch Teil der Langsamkeit ist- was passiert, wenn du sagst, dieses Buch öffnet sich mir nicht, gib mir ein anderes für eine Besprechung, geht das überhaupt?

    1. Generell hast du Recht, Ulli, es ist nur so, dass ich im Vorfeld gefragt werde ob ich dieses oder jenes Buch besprechen möchte, und wenn ich dann zusage, fühle ich mich auch verpflichtet, das wirklich zu tun, da beiß ich mich dann auch mal durch Bücher, die eigentlich nicht auf meiner Wellenlänge liegen, immer in der Hoffnung durch die Überwindung von Widerständen etwas zu lernen. Häufig gelingt das auch, eigentlich immer.

  2. deine „langsamkeit“ war wohl einerseits gründlichkeit und andererseits der wunsch, diesem buch doch etwas abgewinnen zu können, und sei es nur etwas, das eine gelungene kritik hergibt. mich beschleicht das gefühl, dass nicht du bzw deine langsamkeit das problem hier war, sondern das buch…? (was sind denn „lehrgedichte“? allein dieser begriff nimmt mich nicht gerade für sich ein 😉 )
    langsamkeit – manchmal glaub ich, genau das ist es, was die welt wieder mehr braucht.
    sonnige schneegrüße!

    1. ich glaube, das Buch ist nie das Problem, es ist immer die Kritikerin, und auch wenn ich keinen Zugang finde, muss ich doch versuchen, das zu begründen. Dass mir das noch immer so schwer fällt, liegt in allererster Linie an mir. Aber das ist eine lange Geschichte, die ich auch gar nicht erzählen will.
      Lehrgedichte sind solche, die handwerklich perfekt sind und inhaltlich sehr anspruchsvoll, intellektuell herausfordernd, ohne wirklich etwas zu berühren, das müssen sie ja auch nicht, sie wollen zeigen, zum Denken anregen etc. Dann sind sie aber eigentlich keine Gedichte, sondern philosophisch- intellektuelle Überlegungen, die sich einer bestimmten Form bedienen, die ich allgemein von Gedichten kenne. Und dann komme ich zu der Frage, was ist ein Gedicht? Und die kann ich schon seit Jahrzehnten nicht beantworten.
      Danke für Deinen Zuspruch.

  3. Du bist eine sehr genaue, sehr sensible und unabhängige Kritikerin. Deshalb benötigst Du für Deine wunderbar dünnhäutigen Rezensionen Zeit und Kraft. Und vielleicht war aus dem Band auch einfach nicht mehr herauszuholen? Mach weiter so und lass Dich nicht ins Bockshorn jagen (auch handwerkliche Fehler können nun mal passieren).

    1. Den Respekt erkennen manche Menschen nicht, wenn etwas vermeintlich negatives gesagt wird. In meinem Fall war es wohl das Adjektiv „kaputt“. Ich kann das nachvollziehen, was aber den von mir beschriebenen Eindruck nicht ändert. Danke für deine Rückmeldung.

      1. Vielleicht war ich nicht langsam (genau?) genug mit meinem Kommentar. 🙂 Da ich deine Rezension nicht gelesen habe (Ist sie denn im Internet zu finden?), kann ich mich nicht exakt darauf beziehen. Es entspringt eher meiner allgemeinen Beobachtung deiner Art zu rezensieren und deiner steten Auseinandersetzung damit, einer sehr offen geführten selbstkritischen, dass ich dich als ehrlich und respektvoll empfinde. Die Mühe, die du dir machst, die Ernsthaftigkeit, der Versuch, dem jeweiligen Werk gerecht zu werden, ohne dich anzubiedern … All das finde ich sehr (be)achtenswert.

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