07. Januar

Kurz bevor ich das Haus verlasse, beginnt es zu schneien. Eine Frau mit einem weißen hauchdünnen Kopftuchschleier, im Schlepptau zwei Kinder mit weißen Tüllröcken, erreicht in letzter Sekunde die Straßenbahn. Mittlerweile bedeckt ein Teppich aus Schnee die Straßen und Bürgersteige. Ich bedauere manchmal, dass ich so viel Zeit für mich brauche, und deswegen manche Freundschaft zu kurz kommt, während andere erst gar nicht entstehen.

Nach mehr als einer Dekade vermisse ich meine kleinen Kinder manchmal immer noch. Oder vermisse ich nur mein jünger gewesen sein? Nie zurückzublicken (jedenfalls nicht mit dieser gefühlsduseligen Sehnsucht) schreibt Ulli, sondern stets nach vorne blicken, den neuen Herausforderungen und Zielen entgegen.

Dann sehe ich diese Eiche, die sämtliche Blätter, längst vertrocknet und braun geworden, behält, und denke, dass sie vielleicht nur da steht, um mir zu verdeutlichen, was ich mache.

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7 Gedanken zu “07. Januar

  1. Oder du stehst da, damit die Eiche etwas für sich versteht?
    Alles hängt, ahne ich, mit allem zusammen und ich wünsche mir zuweilen, dass die Natur auch etwas von uns hat, nicht nur wir von ihr. Obwohl wir ja auch Natur sind. Eigentlich.

    Nie zurückschauen? Hm. Ich weiß nicht … ich glaube, wir können nur vorwärtsgehen, weil wir auch zurückschauen können. Wir sind nie ohne Kontext da, stehen auf Kreuzungen, kommen woher und gehen wohin. (Ich kann mich aber auch täuschen.)

    1. Was die Eiche angeht, bin ich ganz sicher, dass sie nur für mich da stand 😉
      Was das Zurückschauen betrifft, hast Du Recht, klar sollen, dürfen, können wir zurückschauen, uns auf unsere Wurzeln besinnen, begreifen, wie wir geworden sind, was wir gerade sind, ich meine eigentlich nur dieses ewig schmerzhafte Zurücksehnen, dieses die Sicht verstellende „Früher war alles besser“, das würde ich schon sehr gerne noch ein Stück mehr überwinden.

      1. Liebe Elke, so habe ich es auch gemeint, natürlich schaue ich auch zurück, aber ich sehne mich nur sehr selten zurück, das ist wohl der Unterschied?! Ich denke gerne an Zeiten z.B. als meine Kids noch klein waren, aber dann nur, weil ich sie dann sehe und mich erneut an ihrer Unbefangenheit, an ihrem Kindsein freue, gleichzeitg weiss ich wie oft ich überfordert war, wie oft ich dachte: ich schaffe das nicht- dahin will ich natürlich auch nicht zurück-
        Die Eiche hält fest, was eigentlich schon zu Humus werden will- ein feines Bild!
        Ich wünsche dir Humus und sende dir herzliche Grüsse
        Ulli

  2. Aber was, wenn früher wirklich vieles besser war? Und sei es auch nur aufgrund des Umstands, dass man jünger und gesünder war und somit auch viele der Menschen, die uns wichtig waren und heute vielleicht nicht mehr leben? Vielleicht war damals vieles besser, weil wir mental weniger zu tragen hatten. Weniger „Geschichte“, weniger „Erfahrung“, weniger „verstanden“ und offener in die Zukunft schauen konnten. Vielleicht ist es ja auch nur das, was die Vergangenheit besser macht: das hoffnungsvollere nach Vorne schauen.

    1. Alles, was du schreibst, stimmt. Aber was nützt es mir, wenn ich mich immer wieder damit quäle, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu vergleichen? Mir wieder und wieder vor Augen zu führen, was ich verloren habe, was nicht mehr ist? Ich komme zunehmend zu der Überzeugung, dass diese Bewertung nicht gut tut, und alles andere als notwendig ist. Wenn ich mich dagegen auf die Gegenwart konzentriere, wahrnehme, was gerade jetzt da ist, gelingt es mir zunehmend besser, die Vergangenheit mit Dankbarkeit zu betrachten. Und das ist etwas was mir Kraft gibt, was mir gut tut.

    2. Vermutlich bringt die Betrachtung dessen, was „wirklich“ ist, niemandem Freude. Da gebe ich dir Recht. Ich glaube, dass Menschen da häufig verschiedene Ansätze verfolgen, weil sie verschiedene Ziele haben. Ich hatte mal eine Zeit lang einfach „Erkenntnis“ als Ziel, die bewusste Entkleidung von Illusionen und der Hoffnung, dass scharfkantige Realität ertragen werden muss (und mich gelassener macht). Aber ob das der richtige Ansatz ist, weiß ich nicht. Deshalb ersetze ich inzwischen auch viele Gedanken und Gefühle mit welchen, die mich persönlich weiter bringen. Aber es gelingt mir noch nicht so gut. Und wirklich authentisch fühle ich mich dabei noch nicht. 😦

      Ich finde es gut, wenn du einen Weg gefunden hast oder dabei bist, diesen auszuarbeiten ❤ Hoffentlich werde ich das auch irgendwann schaffen. Noch bin ich im Nirgendwo und überall.

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