07. Januar

Kurz bevor ich das Haus verlasse, beginnt es zu schneien. Eine Frau mit einem weißen hauchdünnen Kopftuchschleier, im Schlepptau zwei Kinder mit weißen Tüllröcken, erreicht in letzter Sekunde die Straßenbahn. Mittlerweile bedeckt ein Teppich aus Schnee die Straßen und Bürgersteige. Ich bedauere manchmal, dass ich so viel Zeit für mich brauche, und deswegen manche Freundschaft zu kurz kommt, während andere erst gar nicht entstehen.

Nach mehr als einer Dekade vermisse ich meine kleinen Kinder manchmal immer noch. Oder vermisse ich nur mein jünger gewesen sein? Nie zurückzublicken (jedenfalls nicht mit dieser gefühlsduseligen Sehnsucht) schreibt Ulli, sondern stets nach vorne blicken, den neuen Herausforderungen und Zielen entgegen.

Dann sehe ich diese Eiche, die sämtliche Blätter, längst vertrocknet und braun geworden, behält, und denke, dass sie vielleicht nur da steht, um mir zu verdeutlichen, was ich mache.

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Langeweile

Vielleicht ist das mein größter Fehler, dass mir nie langweilig ist. Mir ist ja nur darum nie langweilig, weil ich mich nie entscheiden kann. Weil es immer etwas zu überdenken, abzuwägen und nachzugrübeln gibt.

Ich kann morgens im Bett liegen und überlegen, was ich zuerst machen soll. Und wenn mich dann abends einer fragt, was hast du gemacht, sage ich: überlegt. Und wer mich kennt (aber natürlich ganz anders ist, als ich) übersetzt das mit „nichts“, und wundert sich, warum mir das nicht langweilig wird. Dabei ist es ja, ganz im Gegensatz zu dem Eindruck, den es erweckt, unglaublich anstrengend.

Vermutlich ist das der Grund, warum ich trotz des vielen unbeweglich Herumliegens nicht dick werde. Denn mein Kopf läuft ja Marathon.