Eine Art Jahresrückblick

Natürlich bin ich ungerecht. Meine Erinnerung ist selektiv. Das sind Gemeinplätze. Völlig überflüssig zu erwähnen.

Es war ein aufregendes Jahr. Ein Jahr, in dem wirklich viel in Bewegung geraten ist. Eines, in dem viele Dinge definitiv zu Ende gegangen sind. Ein Jahr voller Schmerzen. Seelischer und körperlicher. Und voller Heilung, seelischer und körperlicher.

Was mir ungerecht mir selbst gegenüber vorkommt, ist diese Überzeugung, unter der ich immer wieder leide, dass ich mich einfach nicht verändere. Dass ich so was von auf der Stelle trete. Und dann merke ich, eigentlich leide ich gerade jetzt darunter, dass ich mich verändert habe. Nur eben nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe.

Im Lesesaal diese Sätze gefunden: http://www.lesesaal.ch/2016/09/30/xxiv/

Genau das vermisse ich gerade sehr, das Schreiben ohne roten Faden, das Schreiben, das es ermöglicht, dass Gedanken sich klären, während des Schreibens.

Vor Jahren habe ich einmal geschrieben, dass man mir erzählte, ich habe als Kind stundenlang Selbstgespräche geführt. Es gibt ein Foto von mir mit einen roten Plastiktelefon und es hat angeblich eine Kassette gegeben, Aufnahmen eines Telefongesprächs, das ich mit einem ausgedachten Partner geführt habe. Diese Kassette ist ebenso verschwunden, wie meine Redseeligkeit.

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10 Gedanken zu “Eine Art Jahresrückblick

  1. Ich hatte früher ein Lego Speditionsunternehmen, mit Fuhrpark und allen drum und dran, ich war Lieferrand und Kunde in Person, ich war der Motor der Fahrzeuge, der Ladekran.
    Das Unternehmen gibt es nicht mehr, die Kunden widmeten sich anderen Dingen, ebenso der Unternehmer. Es gab und gibt immer wieder Neues zu entdecken:-).

    1. Ich weiß ja im Grunde, dass du Recht hast, und trotzdem sträubt sich immer noch, immer wieder, fast alles in mir, wenn es ans Abschied nehmen geht. Keine Ahnung, warum mir das so abnormal schwer fällt.

      1. Nun, ich bin kein Psychologe, habe mal gelesen, dass konservative Menschen gerne festhalten wollen.
        Veränderungen nicht mögen, weil sie dadurch verunsichert werden.
        Es könnte auch der Ego dahinterstecken.
        Einen Status Quo beizubehalten ist ja auch eine sichere Kompfortzone, wenn man sich eingerichtet hat.
        Manchmal kreisen wir Menschen auch um Themen, leiden, zaudern, bis einer kommt und fragt, ey wofür brauchst du eigentlich all dein Leiden.
        Dann ist man sauer und genau da ist der Punkt😉
        Arminia darf die Punkte jetzt holen, ja genau, sie haben mal erste Liga gespielt, war toll, aber die Abstiege traurig, nur auf dem Platz ist das egal, gespielt wird jetzt und das Ziel ist klar.

  2. Wenn die Prozesse innen laufen und es dazu noch im Aussen schwieriger wird, weil es mehr Fragen als Antworten gibt, dann verstummt alle Redseligkeit- dazu kommen die einen und anderen Widersacher, nenne sie Ego oder die innere Kritikerin, dann die, die immer die Peitsche schwingt und vielleicht noch Frau Miesmach und solcherlei Damen, da haben Frau Mut und Freude, Frau Zuversicht und Frau Lebensfroh echt zu tun … so ist es bei mir, so lese ich auch ein stückweit deins.
    Nein, das soll hier kein Trost sein, weil es nix zu trösten gibt, ich verstehe dich so: JETZT ist es so- gleichzeitig spüre ich eine Sehnsucht, einen Drang nach neuem Ausdruck (wenn es nicht stimmt, sags nur!)… das sind die Anteile, die uns zu neuen Ufern tragen, auch wenn diese dann ganz anders aussehen, als erwartet-

    Ich grüsse dich herzlich
    Ulli

  3. Es hieß von mir, ich hätte nonstop gequatscht als ich Kind war (ich weiß, dass das Projektion meiner Eltern war) und es heißt von mir, ich seie eloquente Rednerin und könne Bühnen händeln. Ich selbe nehme das nicht so wahr, für mich ist öffentliches Sprechen oft eins wortwörtlich ums Überleben, ich rede damit ich nicht merke, was ich da mache. Bei mir bin ich aber in Worten in Stift und Papier. Vielleicht ist das bei dir auch so, dann ist es vielleicht kein Verlust der Redseeligkeit sondern ein Verlagern, weg von einem Zweck (irgendeinen Antrieb hat ein Kind ja um viel zu sprechen, sei es weil es reden mag, sei es Mangel an Spielkameraden, sei es sonst was) hin zur bewussteren, eigeneren Authentik.

    Die schleichendsten Veränderungen – wie oft habe ich schon gedächt, ich beisse mich an was fest, da passiert aber auch gar nichts – passieren in Wirklichkeit in Lichtgeschwindigkeit, aber das merkt man vielleicht immer erst dann, wenn man bereit ist. Dann kann es einem vorkommen, als sei die Veränderung plötzlich da und erst in der Rückschau fällt auf wie sehr und seit wann sich doch alles auf diesen Punkt hinentwickelt hat.

    1. Danke für interessante Aspekte, z.B. den, dass es ja einen Antrieb geben muss für das quasselnde Kind, das hatte ich noch nie bedacht. Ja, die schleichenden Veränderungen fühlen sich lange wie Stillstand an, und dann, plötzlich, wie ein Durchbruch.

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