Das Kind

Das Kind fällt schwerelos in ein Loch aus Zeit. (es müsste ein Strudel sein, denkt es, der mich einsaugt, bis nichts mehr da ist. Nicht der Hauch einer Erinnerung.) Aber da ist nur die Schwerelosigkeit. Das Loch. Und die Zeit.

Die Zeiten kollidieren nicht, wenn sie aneinander vorbeirasen. Es ist ein heilloses Durcheinander.

Plötzlich hat das Kind wieder eine Mutter, im nächsten Moment liegt es als Greisin auf dem eigenen Sterbebett. Die Bilder wechseln so schnell und ungeordnet, dass das Kind das Bewusstsein verliert. Alles ist schwarz. Aber nur eine kurze Zeit lang. Dann sieht das Kind seinen großen weißen Körper, aufgebahrt auf einem Bett. Überall an den Armen, den Leisten, und den Außenseiten der Beine, sind Stricke befestigt. Taue, die von hässlich gemeinen Kreaturen festgehalten werden, die es daran hindern, sich zu bewegen.

Nur der Kopf ist frei. Das weiß das Kind, obwohl es kein Gesicht erkennen kann. Das des gefesselten Körpers ebenso wenig, wie das der winzig kleinen, aber ungeheuer kräftigen Kreaturen.

 

Ihr seid alle nur da, weil es mich gibt, sagt das Kind, das das Kind gern sein würde. Und dann ist alles still und dunkel. Aber das Gegenteil von friedlich.

Am nächsten Morgen hat das Kind Kopfweh und Fieber. Aber es steht trotzdem auf. Zu funktionieren hat es gründlich gelernt. Und zu funktionieren beruhigt das Kind so gut und zuverlässig, wie nichts sonst auf der Welt.

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