Sprache

Wie wir uns verraten und verkaufen. Und uns unversehens wiederfinden in der Tiefe eines schlichten Gedichts. Denn Dichtung ist Religion (Les Murray), ein Gebet und ein Aufgehobensein in dem, was größer ist als wir. In dem, was vor dem Wort da war, auch wenn geschrieben steht: Am Anfang war das Wort. Ich aber sage euch; vor dem Wort war das Chaos und die Fülle, das Licht und die Dunkelheit, das Unüberwindliche im Unsagbaren. Und alles, was danach kam, war ein Schritt zurück.

Das Weben falscher Muster. Darin manchmal, wenn es einem von uns gelingt, alles loszulassen, ein Muster von unbegreiflicher Schönheit. Einen Moment lang, bevor wir es erneut mit Worten zerstören.

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9 Gedanken zu “Sprache

  1. Du kannst keine Lüge beten.

    Wohl können wir gelogene Wörter nachbeten, Wörter, die gut klingen, aber wenn Beten mehr als Plappern ist, nämlich gefühlte, echte, wahrhaftige, aufrichtige Hinwendung zum großen Ganzen, geht Lügen nicht. Und so werden Worte zu Nicht-Worten, zu Über- zu Vor-allem-Worten, zu Ur- und Chaos-Worten, die der Sprache enthoben sind, jenseits aller Erklärungen.

    Danke für dein Dranerinnern an dieses Mehr.

  2. „Am Anfang war das Wort. Ich aber sage euch; vor dem Wort war das Chaos und die Fülle, das Licht und die Dunkelheit, das Unüberwindliche im Unsagbaren.“ Hier schwinge ich mit dir, aber ob danach alles, was dann kam ein Schritt zurück war, kann ich nicht beurteilen- ist es nicht eher ein Kreiseln genau um diesen Urgrund herum? Den Urgrund, den ich Leben und auch Ich nenne …

    ich grüsse dich herzlich
    Ulli

    1. Doch für mich ist es ein Schritt zurück. Diese sprachlose Verbindung, die manchmal in einem Blick liegt, oder in einer Berührung, die ist mit Sprache nur in diesen seltenen schönen Momenten des Gelingens möglich, und selbst da, ist sie so schnell zerstört, wenn wir wieder versuchen zu verstehen, als einfach nur zu erleben. Und ich glaube, du meinst eigentlich genau das Gleiche, du schreibst ja selbst vom „Kreiseln um diesen Urgrund herum“, den das Wort eben nie erreicht, nur umkreist…

      1. Jetzt verstehe ich dich besser, ich war bei der Entwicklung des Lebens auf diesem Planeten und nicht bei diesen stillen Momenten voller Begegnung und Berührung-
        danke dir

  3. wunderbar interessante gedanken. vieles ist nicht sagbar… sich darauf zu besinnen und das anzuerkennen, kann ungemein bereichern… und doch auch dazu herausfordern, sich bestimmten dingen mit worten zu nähern. das ist für mich das spannende am schreiben. und sei es nur zu sagen, dass nicht alles sagbar ist. und manchmal, ganz selten, gelingt vielleicht ein wort/ ein satz, das/ der etwas auszulösen, aufzubrechen vermag. insofern verstehe ich das wort, die sprache, auch nicht unbedingt als rückschritt, sondern eher als chance, als eine möglichkeit sich auszutauschen – auch über das unsagbare und diesem sich dadurch, vielleicht, auch auf dieser ebene, zu nähern.

    1. Ja, vielen Dank für diese Gedanken, die schön ergänzen, was ich meine, der Rückschritt, der aber gleichzeitig seine Chance wahrnimmt, die ja überhaupt erst durch den Rückschritt entstanden ist. Wenn wir ständig sprachlos verbunden wären, bräuchten wir das Wort nicht.

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