o.T.

Ich bin jetzt alt und festgelegt. Und ein bisschen verwahrlost.

Aber was ich am meisten bin, was mich sozusagen auszeichnet, ist meine Hoffnungslosigkeit.

Ich bin mir so sicher, dass mir ohnehin nichts mehr helfen kann, dass ich getrost alles ausprobiere. Ich mache Pilates, meditiere, gehe zum therapeutischen Reiten, zu Selbsthilfegruppen und arbeite, selbstverständlich unentgeltlich, in diversen gemeinnützigen Projekten. Ich betreibe einen Blog, den niemand liest und schmiere meinen Kindern, obwohl sie längst erwachsen sind und schon lange nicht mehr bei mir wohnen, jeden Morgen Butterbrote mit ihrem Lieblingsaufschnitt, die ich dann so lange in der Sonne liegen lasse, bis sie anfangen zu schimmeln.

Meinem Mann, der abends widerwillig von seiner echten oder auch nur vorgetäuschten Berufstätigkeit nach Hause zurück kehrt, erzähle ich, dass die Jungs wieder ihre Pausenbrote nicht gegessen haben.

Woraufhin er schweigt.

Und wie war dein Tag?

Woraufhin er den Fernseher einschaltet.

Das ist der Moment, an dem ich mich endlich in die Küche zurückziehen kann, wo meine Hoffnungslosigkeit schon mit einer Flasche Pflaumenschnaps auf mich wartet.

Morgen werde ich 50. Dann könnte ich mit Studieren ab 50 anfangen. Und vielleicht leiste ich mir eine Flasche Campari, statt den ewigen Pflaumenschnaps.

 

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