Festhalten

I

Sie ist eine Falte im Lauf der Zeit. Im Mantel der Erde.

Ein kleiner Faltenwurf, der ständig verzweifelt versucht, etwas zurück zu halten, fest zu halten, sich selbst nicht zu verlieren. Statt sich zu umarmen, damit sie die Welt umarmen kann, und nicht nur immer wieder ihre Erinnerung an die Welt, wie sie einmal gewesen ist.

 

Ein heftiger Regen ging nieder, und noch während des Regenfalls, bricht der Himmel auf, wird blau. Sie spürt ihr Blut zirkulieren, sieht wieder das verschlafene verschmitze Gesicht ihres Sohnes. Sieht sich selbst verschwinden.

 

Ich bin nur ein Gedanke. Auch der Schmerz ist nur ein Gedanke, an dem ich festhalte, weil ich fürchte sonst ins Bodenlose zu fallen. Keine Idee vom Fliegen. Um fliegen zu können, muss man loslassen. Etwas, das ich nie gelernt (oder sehr gründlich verlernt) habe.

 

II

All die Frauen, die kurzfristig in sein Leben getreten waren, und dann, leicht beschädigt, aber auch irgendwie geläutert, wieder daraus verschwanden, während er zurückblieb, verwundert. Nach wie vor die alten Wunden leckend.

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