Eitle Dichter

Tod wo ist dein Stachel. Damit spielt sie. Und mit den Bienen. Den Hornissen bei Anne Sexton. Den Bienen bei Thomas Kling.

Was ist der Unterschied zwischen einem guten und einem eitlen Dichter?

Zwetajewa an Gronski:

Die Worte in Ihren Gedichten sind zum größten Teil austauschbar, also sind es nicht die richtigen. Die Grundeinheit Ihrer Gedichte ist vorläufig der Satz und nicht das Wort. (…) Sie sind noch ein bißchen zu laut.“

Und ich merke, ich bin ein eitler Dichter. Ich warte nicht, bis ich etwas zu sagen habe. Etwas hinreichend bedeutendes. Etwas, das ausformuliert ist. Etwas, dem ich gründlich nachgegangen bin. Ich schreibe dies und das, um nicht in Vergessenheit zu geraten, um mir immer wieder meine Portion Aufmerksamkeit abzuholen.

Das ist keine Aufrichtigkeit. Das ist sich strecken nach Dingen, egal was für Dinge es sind, Hauptsache man bekommt seinen Teil davon ab.

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10 Gedanken zu “Eitle Dichter

  1. In erster Linie glaube ich, dass Schreiben ein Bedürfnis ist und der Wunsch gesehen zu werden Menschlichkeit bedeutet, das Bedürfnis sich und seine Gedanken zu teilen, mitzuteilen ebenso. Wenn ich aber nur wohlgefälliges Zeugs schreibe, ohne einen Funken eigenes, ohne Abgründe und Höhen, ja, dann sehe auch ich die Eitelkeit. Du aber hast etwas zu sagen!
    Herzliche Grüsse
    Ulli

    1. gut, ich hätte das vielleicht spezifizieren müssen, natürlich geht es hier um das öffentliche Schreiben, um das Schreiben, das anderen zugänglich gemacht wird. Was ich in der Schublade verschwinden lasse, ist meine Sache, das darf so unbedeutend, pathetisch oder selbstverliebt sein, wie es will. Aber dieser Wunsch nach gesehen werden, den Du ansprichst, um den geht es mir durchaus. Ich finde, da liegt die Verantwortung eines jeden Schreibenden, der eben anderes als Befindlichkeiten ausdrücken will, auszuloten, wo wirklich nur dieses Bedürfnis ist und wo er etwas zu sagen hat. Mir fällt das nach wie vor schwer. Und das finde ich gut so.

  2. Warten, bis man etwas zu sagen hat? Ich weiß nicht. Meine Erfahrung ist, dass im Sagen manchmal etwas entsteht, von dem ich vor zwei Minuten nicht mal ahnte, dass es durch meinen Kopf geht…

    1. Klar, das kenne ich auch, ich glaube es war Kleist, der einen sehr schönen Aufsatz darüber geschrieben hat. Das hat natürlich sein Recht, aber dabei kommt nicht in jedem Fall etwas heraus, das vorzeigbar ist, auch das Scheitern hat sein Recht, aber muss auch das geteilt werden? Gibt es nicht längst genug überflüssige Worte?

      1. Nein. Ich glaube nicht an „überflüssige“ Worte. Es trifft vielleicht nicht jede/n, wenn ich, er, sie, es etwas schreibt, aber hier und da wird vielleicht ein Gedanke, eine Lust, ein Wollen angestoßen. Oder ein Ärger. Es gibt viele. Enorm viele. Aber Überfluss ist eben auch Reichtum. Was also soll’s?

      2. Nein, ich empfinde, gerade im Netz den Überfluss nicht als Reichtum, sondern häufig als Beliebigkeit. Wo man alles sagen kann, da wird dann eben auch alles gesagt, ohne den vorherigen Filter der Sorgfalt. Ich empfinde das nicht als Bereicherung.

  3. Bist du womöglich beides?
    Manchmal so, manchmal so?

    Manchmal schreiben wir wie Hunde pinkelnd Wegmarken setzen (Ich war da!) & manchmal eben nicht. Dann sitzen die Worte, weil sie müssen.

    (Ich denke zurzeit übrigens mal wieder über sehr Ähnliches nach.)

    1. Ja, ich bin, wie vermutlich alle Menschen, unterschiedlich stark ausgeprägt, beides, bedürftig, gierig nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, eitel eben, und nachdenklich, aufrichtig, ganz bei einer Sache, statt bei mir. Ich finde es nur wichtig, mich immer wieder daran zu erinnern, dass nicht alles geteilt werden muss, dass das Schreiben, das ich will, immer dieses Schweigen beinhalten muss, das Ilse Aichinger und Marguerite Duras mich gelehrt haben und diese Aufrichtigkeit, die mir Anne Sexton beigebracht hat.

  4. verstehe ich gut, auch wenn ich deine worte im vergleich zu den restlichen als wohl und gut gewählt betrachte, eben dieser minimalismus, der der inflation entgegen wirkt.
    sich mit seinen albernheiten und eitelkeiten anzunehmen, das ist der weg, der immer wieder paradox erscheint, da das bedürfnis sich von alleine aufgibt (ohne verdrängt zu werden) . ganz liebe grüße! m

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