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Jeder Mensch hat ein Talent. Und böse oder traurig, gefährlich oder vollkommen nichtsnutzig wird er nur dann, wenn er dieses Talent nicht ausüben, ausleben kann. Wenn er so neben sich her leben muss, an sich vorbei. Weil er an das Talent allein nicht glauben kann, oder Angst hat, oder sich weigert, ausgerechnet dieses Talent zu haben. Und dann zählt er lieber wie viele Tage noch bis zu seinem Tod. Und wenn das nicht mehr geht, wenn einfach nichts mehr auszuhalten, aber auch nicht zu ändern ist, dann liest dieser Mensch eben ein Buch.

Die Geschichte, die in mir steckte, war spätestens mit dem frühen Tod meines Vaters so unübersichtlich geworden, dass ich den Trost von Geschichten mit Anfang, Mitte und Ende, mit Handlungen und Sinn, mit einem Ziel und nachvollziehbaren Gründen, bitter nötig hatte.

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