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Briefe an das Leben schreiben, an ein sich veränderndes und gleichzeitig beunruhigend starr bleibendes Ich. Der letzte Sommer. Bevor zum ersten Mal das Unfassbare geschah. Wir haben unsere Leben. Und die Gefangenschaft in Vorstellungen. Die wir schreibend befreien könnten. Hätten wir den Mut und die Ausdauer.

Beim Kaffeetrinken in der Stehcafeteria erzählte der Prof, dass er seinen Hund im überheizten Auto verenden ließ. Während die sehr schöne, sehr charismatische Studentin von ihrem Praktikum im Hamburger Strafvollzug berichtete.

Danach geschah einige Jahre lang nichts. Keine auf Papier aufgezeichneten Schwingen, keine plötzlichen Todesfälle, keine aufregenden Bekanntschaften. Keine Krankheiten und Liebesdramen. Stattdessen Alltag. Umzüge, die ganz normale Geldnot. Der ungeteilte Kinderwunsch.

Sie bezogen eine kleine Wohnung mit zwei sehr kleinen und einem mittelgroßen Zimmer und malten die Wände bunt an. Einmal übernachtete B. mit ihrem Freund dort. Danach brach der Kontakt ab.

Die Parks und Wälder. Die unerträglichen Kopfschmerzen. Jemand, der all die Zeit, trotz allem, bei mir geblieben ist. Der Hund und unsere Spaziergänge. Der Tischapparat. Die Mensa. Aber das war schon wieder eine andere Wohnung. Und ich nur noch ein bisschen jung. Längst an der Schwelle endgültig erwachsen zu werden. Was sehr schwierig ist, ohne Kinder zu haben.

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