03. Mai

Es regnet. Ein hübscher, arabischer Mann versucht mit einer jungen Türkin zu flirten. Eine Frau mit einer strahlend weißen Jacke steht mit ihrem Rollator am Straßenrand. Der Mann schweigt jetzt, sieht die junge Frau nur hin und wieder an, während sie ihren Blick auf ihr Smartphone heftet. Und über allem, selbst über dem grauen Himmel und den in ihren Zimmern zurückgelassenen Kindern, rast „wahnsinniger, glücklicher Staub“ (Carl-Christian Elze).

Ich bin froh, wenn ich einen Satz finde, der diesen Staub sichtbar machen kann. Hin und wieder. Von Zeit zu Zeit. Während meine Kinder in die Unabhängigkeit hinein wachsen, und Menschen mit Ambitionen wie eh und je aneinander vorbei reden.

Gerne hätte ich zum Schluss geschrieben: Sie schenkt ihm ein Lächeln als sie aussteigt. Aber sie sieht ihn nicht einmal an.

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14 Gedanken zu “03. Mai

  1. Ich denke darüber nach, warum du dir ihr Lächeln für ihn wünschst.

    (Sie will halt vermutlich einfach ihre Ruhe und nur weil er hübsch ist, muss sie ihn nicht ja nicht anlächeln.
    Ob du, wäre er kein hübscher Mann gewesen, sondern ein durchschnittlich aussehender, sein Flirten von außen eher als Anmache bewertet hättest?

    Das sind einfach so Gedanken, die beim Lesen deiner Miniatur in mir aufgetaucht sind. Sprich: Wie wenig es braucht, um eine Situation so oder anders zu lesen.)

    1. Ich glaube ich hatte einfach diesen wahnsinnigen glücklichen Staub im Hinterkopf, diese Zärtlichkeit, die von Elzes Gedichten ausgeht, ich hätte (und tue das allgemein sehr häufig) mir sowieso von jedem ein Lächeln für jeden gewünscht. Und der Mann war vielleicht gar nicht so hübsch, aber er war sehr zurückhaltend und eben gar nicht „anmachend“, und sie fast aggressiv in ihrer Abwehr, so habe ich es jedenfalls empfunden. Und überhaupt wollte ich hier keinen verurteilen oder bewerten, sondern nur ein kleines Alltagsbild zwischen Regen und glücklichem Staub zeichnen. Aber Danke für Deine Gedanken zu meinem kleinen Text.

  2. Zu deinem heutigen Beitrag: ich kenne solche Zweifel, wie du sie aussprichst. Aber auf dich würde ich nicht sagen, dass es zutrifft. Und du schreibst ja auch „vermeintlich“. Andersherum kenn ich es aber auch. Manchmal lese ich 70fach versterntes und frage mich, warum. Eine Arroganz, die mich nicht so sympathisch macht, wie ich weiß.

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