Zu viel

Es sind hauptsächlich zwei Dinge, die mich derzeit diesen Blog hier in Frage stellen lassen: zum einen gibt es so viel, viel zu viel von allem. Zu viele Blogs, zu viele Bücher, zu viele Kritiken und zu viele Diskussionen darüber. Ich finde mich nicht mehr zurecht, mir wird das alles zu viel. Und ich habe das Gefühl, ich sollte besser schweigen als dem Vielen ein noch mehr hinzuzufügen.

Was zum zweiten Punkt führt: ich glaube nicht, dass ich etwas zu sagen habe. Nichts wirklich relevantes. Mein Schreiben hier ist seit einiger Zeit ein um mich selbst kreisen. Kann sein, dass das notwendig ist. Dennoch langweilt es mich. Und ich denke nicht, dass ich diese Langeweile auch noch teilen sollte.

Vielleicht werde ich von Zeit zu Zeit auf Entdeckungen hinweisen, die ich gemacht habe. Vielleicht bleibt es hier aber auch so lange still, bis ich das Gefühl habe, wieder etwas zu sagen zu haben, dass sich für andere zu lesen lohnt.

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35 Gedanken zu “Zu viel

  1. Ich kenn das Gefühl und kann mich auch nicht immer dagegen wehren. Aber gerade bei dir, bei deinem Beitrag von heute Morgen dachte ich mir: Gut dass es diesen reflektierten Blog gibt. Du hast etwas zu sagen, und ich freue mich auf deine Entdeckungen.

  2. eines sei dir versichert, liebe mützenfalterin: du hast viel mehr zu sagen, als so manch andere(r). 🙂
    aber ich kann das gut nachvollziehen, was du hier schreibst.
    versuche herauszufinden, wie es (das schreiben, das veröffentlichen) für dich gut ist. ich freue mich jedenfalls immer von dir zu lesen.

  3. Weißt Du was, Elke, das geht gar nicht, das Aufhören…Du hättest das gern, weil es oft so quälend ist mit den Wörtern, ich versteh dich schon…aber Du bist eine Poetin, Du wirst nie aufhören können, weil in Dir immer Wörter sein werden und weil die Welt ohne Poesie verdorren würde und erfrieren in Eis und Finsternis. Wir brauchen Orte wie diese, an die zu flüchten in manchen Stunden das Leben rettet, ob sie nun Blog heißen oder Bühne oder Buch, Nischen, ZwischenRäume der SprachLabsal sind sie allemal…jaja, ich weiß, die Welt ist übervoll von allem, aber es gibt halt nur eine, die schreibt: „Es ist schon einige Monate her, ich hatte mich in einen Elefanten verwandelt…“ und und und… ich kann mich nicht sattlesen daran und spreche es gerade auf Band, weil ich sie hören will, die Poesie der Mützenfalterin! Also ich werde regelmäßig hier an der Türe sein, in der Erwartung, daß sie aufgeht…Sei von Herzen gegrüßt…und das mit den Wörtern…wenn man sie braucht, laufen sie weg, aber sie kommen wieder…
    Die anschließenden Worte hab ich dankbar vom Versteckten Poeten entgegengenommen und reiche sie an Dich weiter:

    Nur zwei Dinge

    Durch so viele Formen geschritten,
    durch Ich und Wir und Du,
    doch ales bleb erlitten
    durch die ewige Frage: wozu?

    Das ist eine Kinderfrage.
    Dir wurde erst spät bewußt,
    es gibt nur eines: ertrage
    – ob Sinn, ob Sucht, ob Sage –
    dein fernbestimmtes: Du mußt.

    Ob Rosen, ob Schnee, ob Meere,
    was erblühte, verblich,
    es gibt nur zwei Dinge: die Leere
    und das gezeichnete Ich.

    Gottfried Benn

    1. dieses Gedicht von Benn begleitet mich tatsächlich schon sehr lange. Immer wieder ergreift es mich. Es ist eines der (wie ich zu meiner Schande bekennen muss wenigen), die ich auswendig hersagen kann.
      Im Moment ist da zu viel Unsicherheit und zu wenig Notwendigkeit mit dem, was entsteht, nach draußen zu gehen. Ein jegliches hat seine Zeit, steht schon in der Bibel. Und jetzt scheint es mir an der Zeit zu sein, eine Weile zu sammeln und zu lesen und nachzudenken und still zu sein.

      1. Oh Verzeihung liebe Elke, war ich zu heftig? Ich wollte Dir nicht zu nahetreten! Ja, ein jegliches hat seine Zeit, und Zeit lassen und stillsein, ach ja, und immer wieder fragen: was mache ich hier? Wie vertraut mir das alles ist…eigentlich wollte ich Dir nur sagen, wie sehr ich Dich schätze über alle Entfernungen und Pausen hinweg.

      2. In keiner Weise warst du zu heftig, liebe Margarete. Bist mir auch nicht zu nahegetreten. ich habe dir privat noch etwas ausführlicher geschrieben.

  4. Nein
    Nicht aufhören.
    Reflektieren ist gut und auch zu hinterfragen. Deine Worte klingen in meiner Ohrbüxe sehr bekannt. Auch ich denke immer wieder so. Und in allem vielen dann auch noch mein Gestammel. Und dennoch.
    Atmen durch schreiben atmen durch machen.
    Leider habe ich kein Rezept und bin genauso ambivalent zwischen schreiben lesen und abschalten.
    Ich sende Mut nicht schnell zu entscheiden.
    Herzlich lz.

  5. Oh, Entschuldigung, es sind mir ein „l“ und ein „i“ davongelaufen, würdest Du sie bitte wieder einfangen und an die richtigen Stellen schubsen, dankeschön!

  6. Ich finde, Deine Kommentare sind gute Tagesbegleiter. Auch wenn sie in der Mehrzahl eher melancholisch geprägt sind, haben sie immer einen Anreizpunkt. Sie wie ich die Notate von Blanchot oder Cioran gerne lese, so lese ich auch Deinen Blog gern.

    1. Ein schöner Vergleich, obwohl ich mich nicht neben Blanchot und Cioran einreihen würde, aber die Melancholie ist schon genau mein Thema, da fühle ich mich erkannt. Ich habe mir übrigens mittlerweile die Anatomie der Melancholie von Robert Burton besorgt, leider hatte ich bislang keine Zeit, darin zu lesen.
      Danke jedenfalls für Deinen Kommentar hier und die darin enthaltene Ermutigung.

  7. Bisher kann ich nicht finden, dass du nichts zu sagen hast. Und was du sagst, sagst du gut. Darum fänd ich es schade. Andererseits: Sobald du dich selbst langweilst, brauchst du vielleicht eine Pause.

  8. Ich verstehe dich. Es muss für dich richtig sein.
    Dennoch hatte ich noch nie das Gefühl, dass deine Texte überflüssig seien.
    Verlass dich auf dein Herz.
    Ich drück dich.

  9. es ist alles von den kommentatoren bereits gesagt, was ich hätte sagen wollen. von daher hast du natürlich recht.
    und doch…. sag ich halt auch…. dass du doch bitte weiter sagen möchtest, in deinem ureigenen stil.
    deine zeilen sind das erste, was ich jeden morgen lese. und mit genuss.
    kann also nicht nichts sein.

  10. Alle kreisen immerzu nur um sich. Ganz gleich was sie sagen und tun.
    Du tust es auf eine besonders kluge und reflektierte Art und weise und bist dabei manchmal sehr schonungslos mit Dir. So sehr, dass es mich schmerzt. Und genau deswegen lese ich dich so gerne. Weil es nicht einfach kuschelt und flauscht, sondern wehtut und wirkt.

  11. Wir sind viele. Gemeinsames Schicksal von Menschen im 21. Jahrhundert (Trost, dass es noch mehr werden??) – Nein, im Ernst. Viel ist egal. Jede/r ist Eins. Pausen sind trotzdem immer gut. Neugier noch besser. Und was die anderen lesen? Entscheiden die anderen. Ich bleibe gespannt.

    1. Danke auch dir für Deinen klugen Kommentar, Stephanie. Ich glaube, es ist nicht so sehr die pure Masse, dass wir so viele sind und immer mehr werden, es ist eher das Gefühl, dass es viel weniger miteinander, oder auch nur Interesse füreinander, als viel mehr Gegeneinander gibt, was mich manchmal so müde macht.

  12. Gegen zu viele Blogs hilft vielleicht reduzieren. Ich merke es bei mir, ich kann nicht alles lesen, auch wenn es gute Beiträge sein mögen, ich kann nicht den ganzen Tag Informationen aufnehmen, das Aufgenommene will auch erspürt werden und das Leben gelebt werden.
    Auf das eigene Gefühl zu hören, finde ich sehr richtig. Ich finde, du hast etwas zu sagen. Das hat jede und jeder. Du macht es in einer eigenen Art, die es wert ist, hier geteilt zu werden.

    1. Das ist es ja, dass jeder etwas zu sagen hat, und kaum einer mehr Zeit und Lust, zuzuhören. Das ist ja alles nicht neu, aber manchmal so einschüchternd und ermüdend, vor allem, wenn man immer wieder an der eigenen Stimme zweifelt, an diesem Recht, selbst eben auch zu sprechen. Ob andere das nun hören wollen, oder nicht.

      1. Es sind Ohren da, die zuhören und aufnehmen. Und eine Stimme, die gehört werden möchte. Vielleicht kann nach der Müdigkeit wieder neue Lust wachsen, ich hoffe es.

  13. Diese Informationsflut kann einen manchmal wirklich erdrücken, aber ich finde, deswegen ist es umso wichtiger, dass man sich mitteilt, damit man in dieser Flut von teilweise (subjektiv) irrelevanten Informationen noch etwas finden kann mit dem man sich identifizieren kann. Selbst dieser Beitrag ist viel Wert, schließlich regt er einen zum Nachdenken an!

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