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Man stellte ihr ein Bein. Eher absichtslos. Wer sich dann entschied, über das ausgestreckte Bein zu stolpern, war sie selbst. In vollem Bewusstsein. Mit voller Absicht.

Die Geräusche aus dem Hintergrund (Hinterhalt?), die sie heute so wenig wie all die Tage zuvor einordnen kann, spielen sich vor einem blauen Himmel ab. Auch die Sonne ist schon da.

 

Der Verlust der Kindheit. Klein sein, Kind sein, glauben und vertrauen können, in der magischen Welt leben, wo nahezu alles belebt ist, alles voller Fantasie. Jede Handlung ein Abenteuer. Ein Verlust, der niemals aufgewogen werden kann. Was sind Erfolg, Sexualität, Selbstbestimmung, gegen dieses Paradies?

 

Die Spitze meiner Ratlosigkeit brennt langsam aus. Hüllt mich ein. Begräbt mich unter meiner unstillbaren Sehnsucht nach früher, viel früher. Am besten noch vor meiner Geburt.

 

Meine Cousine hat man um die Osterzeit herum aus der Nidda gefischt. Sie war nur kurz verschwunden, und dann schon tot. Auf meiner Hochzeitsfeier, fünf Jahre vor diesem Osterfest, an dem sie sich ganz auf das Sterben konzentrierte, während alle anderen die Auferstehung feierten, hatte sie mir skandinavische Namen für das Kind, das ich erwartete, vorgeschlagen.

 

Immer wieder diese Abbrüche, fehlende Anschlussstellen. Lücken, die sich wie Abgründe anfühlen.

Mein Leben und dieses Nicht mehr leben von so vielen, die ich gekannt habe.

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