23. März

Irgendwie scheint das Mitgefühl, die Betroffenheit aufgebraucht zu sein. Brüssel ist nicht weniger nah, nicht weniger grauenhaft als Paris und doch erreicht es mich nicht in derselben Art, scheint mich weniger anzugehen. Und offenbar bin ich nicht die einzige. Zunehmend tauchen diese „Je suis sick of this shit“ Embleme in den sozialen Netzwerken auf. Wir sind müde, ratlos. Nicht zuletzt überfordert. Also machen wir dicht. Oder fehlen uns nur die Worte? Weil scheinbar alles schon gesagt wurde?

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8 Gedanken zu “23. März

  1. Vielleicht ist die Betroffenheit ein wenig aufgebracht, sicher nicht das Mitgefühl. Ich denke, viele Menschen stellen sich darauf ein, dass es eine Weile so weiter gehen wird. Ich versuche mir Mut zu machen. Um trotzdem zu fliegen, die Bahn zu benutzen und durch die Großstädte zu gehen. Ohne Worte, mit Angst, aber auch mit dem Gefühl, für Freiheit einzustehen.

  2. Ich beschreibe es als diesen einen Wendepunkt, an dem man alles fallen lässt, loslässt und akzeptiert: hier ist nichts mehr zu machen. So fühlte es sich bei mir an. Ich wusste nicht, wen oder was ich mehr bekämpfen oder hassen soll. Also habe ich mich abgewandt, um mich um die paar Menschen und „Dinge“ zu kümmern, die ich habe und die ich noch beeinflussen kann. Natürlich wird sich das auch wieder ändern, aber ich verstehe diese Hilflosigkeit verdammt gut. Ich bin so müde, dass ich nicht einmal mehr fluchen kann. (Okay, Erdogan hat letztens eine richtig üble Fluchkaskade von mir bekommen. Haha.)

    1. Das, was du schreibst, klingt für mich wie Resignation, die du in etwas Positives verwandelt hast. Resignation dem großen Ganzen gegenüber, umgewandelt in eine Konzentration der Energie auf Dinge und Menschen, bei denen man tatsächlich etwas bewirken kann.

    2. Ja, so ähnlich vielleicht. Wobei mir zur Resignation noch ein Schritt fehlt, nämlich die Hoffnungslosigkeit in einer so alles-umfassenden Form, dass mir nicht einmal die Umfokussierung auf andere Dinge und Menschen gelungen wäre. Ich bemerke bei mir auch eine Art „Rolle des Zuschauers“, wie ich manchmal wie bei einem Film gespannt bin, was nun als Nächstes passiert. So in der Form habe ich das noch nie erlebt und es resultiert wirklich aus dem Gefühl der Ohnmacht. Es kommt mir so ignorant vor, aber ignorieren tue ich tatsächlich rein gar nichts.

      1. Ja, so habe ich es auch verstanden, Ohnmacht gegenüber diesen ganzen politischen Dingen umgewandelt in die Konzentration auf etwas, das man beeinflussen kann. Ich glaube, das ist einfach gesund. Und die Rolle des Zuschauers fühlt sich sicher nicht immer moralisch gerechtfertigt an, aber ignorant wäre ja nur, nicht mehr hinzusehen, die Augen zu verschließen, nicht aber dieses Registrieren, dass vieles außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegt.

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