Fliessen

Ich verlerne zu sprechen. Aber ich beobachte. Ich sehe:

 

Auf diesem Bild: der Rücken noch gesund, die Haare lang, schwarz, aber hinter der Stirn schon der Kummer um all die gerade noch Lebendigen. Das Auswachsen der Kindheit, in einem langen stetigen Fluss des für immer Unbegreifbaren.

 

Wir schlagen Brücken, oder wir brechen ab. Einige von uns ertrinken: In ihrem Gewissen. In ihrem Überfluss. In ihrer unerwiderten Liebe.

 

Die Zeit heilt Wunden, indem sie neue reißt.

 

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12 Gedanken zu “Fliessen

  1. Den unbegreifbaren Fluss empfinde ich als sowohl erschreckend, wie auch tröstlich. Was gäbe es schon zu verstehen und was fingen wir an mit dieser Erkenntnis an unserem Lebensende? Das Rätsel unserer Existenz verbindet uns alle und gibt mir bei aller Unsicherheit trotzdem das Gefühl in etwas Größerem aufgehoben zu sein.

    Das „Auswachsen der Kindheit“ ist wahrscheinlich unsere schwierigste Aufgabe, unsere Menschwerdung durch Verluste.

    Die Zeit heilt keine Wunden und die alten verschwinden bloß in den Falten der neuen.

      1. Du hast mit Deinem Beitrag etwas angesprochen, was mich sehr beschäftigt. Wir haben ähnliche Themen zurzeit, auch wenn sie sich bei mir vielleicht anders äußern. (Danke für Deine anregenden Gedanken).

  2. Sprache verlernen, aber beobachten, einen eigenen Reim machen, weinen und dann vielleicht irgendwann einmal akzeptieren, dass dies das Leben ist … dann hat das Kind von damals schon Falten, aber es tanzt vielleicht immer noch mit nackten Füssen in den Sommerbächen.

    Liebe Grüsse
    Ulli

  3. Bin ganz verrutscht hier, aber macht nix, passt zu meinem derzeitigen Zustand…fühle mich zwischen Euren Worten an jeder Stelle richtig und irgendwie beheimatet.

  4. Nein, es ist nicht die Zeit, die Wunden heilt oder neue reisst, und ich glaube auch nicht, dass es die Falten sind, die die Wunden tarnen – obwohl ich deine Zeilen sehr-sehr schmerzhaftschön finde, besonders die letzten.

    Dennoch denke ich je länger je mehr, dass wir es selbst sind, die den uns zugefügten Wunden Raum zur Heilung geben dürfen, sollen, können, wer sonst, wenn nicht wir?

    Ich bin grad mal wieder dran, zu erkennen, wo ich überall noch immer andern statt mir Verantwortung für Unheiles zuordne. Der Zeit zum Beispiel und ihrem Geist und den Umständen vor allem. Und meinem Hang zum Selbstmitleid sowieso. Liebevoll versuche ich, mir das alles einzugestehen.

    Dir wünsche ich, dass deine Stimme weiter benennt, was wehtut und sie von dort weitergeht ins eigene Heilen, nicht nur die Stimme natürlich, sondern all das, was du bist.

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