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Sie fürchtet sich. Sie will gefallen. Aber sie spürt, wie ihr das immer weniger gelingt. Es ist nicht möglich, anderen zu gefallen, solange man sich selbst nicht gefällt, dieser Satz geht ihr durch den Kopf, ohne wirklich in ihr Bewusstsein zu dringen.

 

Wenn ich schreibe bin ich bei den Menschen, nicht im Gefängnis,

schreibt der seit Jahrzehnten zu Unrecht Inhaftierte. Was fängt man an mit Sätzen, die man versteht, ohne sie zu begreifen?

 

Auf einmal wird ihr Herz weit, sie spürt ihr Blut pulsieren. Sie sieht den blauen Himmel, spürt die klare kalte Luft und für einen kurzen Moment spürt sie wirklich, dass nichts fehlt, dass alles in Überfülle vorhanden ist. Es ist nur ihr Denken, das die maßlose Freude und Lebenslust begrenzt, zusammenstutzt, und zu etwas Unbedeutendem werden lässt. Zu einer Leere, die nur durch Leistung gefüllt werden kann.

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