Krisen

Das Problem ist, dass wir Menschen Krisen nicht gemeinsam, sondern durch Abgrenzung zu lösen versuchen. Abgrenzung statt Zusammenhalt. Und was mein eigenes schlechtes Gewissen angeht: das kommt daher, weil ich mich mit meinen kleinen unbedeutenden inneren Dramen beschäftige, statt mit den komplexen großen Problemen.

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Frei schreiben, ohne Punkt und Komma, ohne Zensor, unkontrolliert, aber nicht frei. Mit einem roten Füller. Viel zu teuer. Das Fett springt geräuschvoll in der Pfanne. Meine Erinnerungen engen mich ein, halten mich zurück. Entlassen mich nur selten in die Gegenwart. Wo war ich, als ich das erlebte, wonach ich mich jetzt so schmerzhaft zurücksehne? War ich nicht auch da woanders? In der Zukunft? Zerrissen zwischen Ehrgeiz und Zweifel? Und ist das, von dem ich heute glaube, es seien schöne, unwiederbringlich verlorene Momente, nur die Trauer um nicht in der Gegenwart verbrachte Augenblicke? Ein Vergehen, das ich seither (schon immer?) beständig wiederhole?

 

Diese Unfähigkeit in Ruhe zu arbeiten. Ohne Publikum und Bestätigung. Meine Sucht nach Aufmerksamkeit und Ansprache. Mein Vermeidungsverhalten. Die Sehnsucht. Der Zwang. Diese immer lauter werdende Stimme, die unentwegt wiederholt: das schaffst du nicht.