Hingabe

Nachdem nun weitesgehend geklärt ist, dass Schreiben zwar nicht natürlich, aber sehr wohl notwendig ist, und vielleicht fast so etwas wie die zweite Natur des Menschen (obwohl das vielleicht schon ein Widerspruch in sich ist), sofern es mit Hingabe betrieben wird, erinnere ich mich an die Aufforderung einer Freundin, mich zu fragen, warum ich schreibe. Und endlich scheint eine Antwort auf, die mich befriedigt: Weil es etwas ist, dem ich mich vorbehaltlos hingeben kann. Das ist nicht jederzeit und unbedingt wahr, aber es ist ein Ziel, eine Möglichkeit, auf die hinzuarbeiten es lohnt. Etwas, das mich auch so rüde Absagen, wie die einer renommierten Zeitschrift hinnehmen lässt, die mir gestern per Mail mitteilte, meine Gedichte seien für diese Zeitschrift nicht geeignet.

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23 Gedanken zu “Hingabe

      1. ja, danke auch an ludwig, natürlich. 🙂
        was ich noch sagen wollte, zu der zeitschrift, immerhin warst du ihnen eine antwort wert… manchmal melden sie sich ja gar nicht mehr. und ja, das ist auch mit ein weg zum eigensinn: sich von einer „absage“ nicht beeindrucken zu lassen.
        ich finde, du beschreitest gerade einen guten weg!
        dein hinterfragen, dein kreisen, dein annähern an dich selbst, an dein schreiben, an die „dinge“.
        mich spricht das jedenfalls gerade sehr an!

  1. Schreiben kann Hingabe sein, da stimme ich zu. IIh finde nur, anders, als Du es formulierst, dass sich auf diese Hingabe nicht `hinarbeiten´lässt. Nicht auf das Gefühl jedenfalls. Und das macht das Schreiben auch so besonders für mich. Es trifft einen, es küsst einen, wie die sprichwörtliche Muse, es vollzieht sich und nimmt in den guten Momenten alles kopfige und verdruckste fort. Das ist es, was mich beim Schreiben glüklich macht: wenn es mir Zugang zu einem Teil von mir ermöglicht, der im Alltag verschlossen ist und in dem ich ein anderes Ich finden kann.

    1. Danke für diesen klugen Einwand. Es stimmt natürlich, dass man Hingabe nicht erzwingen kann, aber ich glaube es gibt Möglichkeiten sich bereit zu machen für diesen Musenkuß von dem Du schreibst, und den ich aus früheren Zeiten auch kenne. Das ist tatsächlich das wirklich befriedende, irgendwie süchtig, zumindest aber ungemein glücklich machende am Schreiben. Das ist mir nur seit einiger Zeit abhanden gekommen und ich hoffe so sehr, dass ich es wiederfinden kann, dass ich mir einbilde, ich könnte auf etwas wie Hingabe hinarbeiten, dabei wäre der einzige Weg loszulassen, diesen Leistungsgedanken loszulassen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

      1. Sich bereit machen, offen bleiben/werden, den Dingen ihren Lauf lassen. Darum geht es wahrscheinlich.
        Ich finde aber aber genau das so schwierig, wenn die Sehnsucht nach etwas Verlorenem einen treibt und traurig macht. Es scheint ein wenig, wie der Wunsch nach Liebe, oder wenigstens nach Verliebtsein, und jeder sagt einem, man müsse zuerst vollkommen von dieser Sehnsucht ablassen, um sich ihr überhaupt nähern zu können.
        Ja, wie denn, wenn man wund ist vor Kummer oder Mangel?

        Auch, wenn Du es so empfindest, mir geht es ganz andrs mit Deinem Schreiben. ich finde Deine Worte, Deinen Blick oft so präzise, klug und kristallklar, Dein Denken empathisch und gleichzeitig differenziert und strukturiert, dass ich mir vorstellen kann, dass es eher der Blick für Dein Talent ist, der Dir gerade nicht gegeben ist, und der auch die Freude am Schreiben überschattet, als ein wirklicher, objektiver Mangel (wenn es soetwas überhaupt geben kann).

    1. Ja, Danke 😉 Habe ich auch schon gedacht. Es ist ja auch nicht die Ablehnung, sondern der Ton, den ich herauszulesen glaubte. Als würde das irgendetwas zählen… Als würde das die Geliebte kümmern 🙂

  2. also ich denke eher, dass die zeitschrift nicht für deine wunderbaren gedichte geeignet ist.
    etwas mit vorbehaltloser hingabe zu tun, heißt für mich im hier und jetzt zu sein.
    es erdet, zentriert, macht glücklich. das ist für mich die essenz – glück und liebe.
    wohl dem, der das kann 🙂
    lieben gruß zu dir.

  3. Schön gesagt. Tatsächlich glaube ich, es IST unsere Natur, zu kommunizieren. Und die Entwicklung entsprechender Kulturtechniken die natürliche Folge. Allein unser Gespür für Dramaturgie liebt die Gegensätze und erdachte zu unserer Unterhaltung den Widerstreit von Natur und Kultur…

  4. Mir gefiel schon gestern der Kommentar von Ludwig und freue mich, dass du die Hingabe zu dir nehmen konntest. Oft erlebe ich mein Schreiben so, wie es tikerscherk beschreibt und wenn genau das eintrifft, bin ich hinterher glücklich, zufrieden, weil ich den Fluss spüren durfte, der fliesst, ob ich gerade in ihn hineinspringe oder nicht.
    Und diese Zeitung ist schlichtweg nicht gut genug für deine Worte!
    Herzliche Grüsse
    Ulli

    1. Ja, ich bin Ludwig auch wirklich dankbar für die Erinnerung an die Hingabe. Ihre große Rolle und ihren großen Wert, und nicht zuletzt die große Zufriedenheit, die sich einstellt, wenn die Hingabe gelingt. Ganz abgesehen von Formen, Worten und Zeitschriften.

    1. Also ich bilde mir schon ein, die Zeitschrift zu kennen. Und was meine Kommentatoren angeht, konzentrieren sie sich auf einen ganz anderen Punkt. Ich weiß nicht, ob das fantastisch ist, aber es ist schön.

  5. Mir fällt spontan Rilke mit seinen Briefen an einen jungen Dichter ein. Autor:in ist, wer schreibt. Nicht zwingend, wer gelesen wird.
    Schreiben aus einem eigenen inneren Impuls heraus ist vermutlich das wohltuendste.
    Gleichwohl ich dir für zukünftige Veröffentlichungsmöglichkeiten viel Glück wünsche!

    1. Ja, dieses wunderschöne Büchlein, in dem auch einer meiner Lieblingssätze steht über die Einsamkeit. Und herzlichen Dank für die Glückwünsche, die ich übrigens gerne weiter- oder zurückgebe, für das gerade begonnene spannende und wunderschöne Kapitel in deinem Leben mit einem Bi-ba-Butzemann im Bauch.

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