Wir sind der Riss in der Natur

Aufgerissen, eingerissen, angegrissen.

Aber der Riss bleibt. Also Teilung, Trennung. Von etwas, das eigentlich zusammen gehört? Aber keiner hört die Rufe? Seltsame Sprache. Die Zusammenhänge eröffnet, wo keine sind. Keine sein sollten?

Nein, Schreiben ist nicht natürlich. Schreiben ist eine Kulturtechnik. Nichts desto trotz notwendig. Für viele von uns. Um uns miteinander und mit uns selbst zu verständigen. Dinge abschreiben, abarbeiten zu können, eine friedliche Möglichkeit, mit der Welt umzugehen, eine relativ sichere Art mit dem Zweifel umzugehen, das Undurchsichtige wenigstens zu benennen und so zum Gegenstand zu machen. Etwas, das uns gegenüber tritt, mit dem man sich auseinander setzen kann. Das Schreiben ist nicht natürlich. Aber notwendig.

Und die Risse?

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14 Gedanken zu “Wir sind der Riss in der Natur

    1. Die Art und Weise, wie man isst, erst Recht wie man das Essen zubereitet ist Kultur, klar. Danke für den Link. Allerdings spricht auch der nur von der hohen Notwendigkeit der Schrift, nicht gegen die Definition des Schreibens als nicht natürlich.
      Wenn man der Definition des Wortes „natürlich“ aus dem Duden folgt, wo es heißt: „zur Natur gehörend, in der Natur vorkommend, nicht künstlich vom Menschen nachgebildet, hergestellt“, dann ist Schreiben ganz klar nicht natürlich. Das macht das Schreiben nicht weniger wertvoll, nicht weniger notwendig, auch Hilde Domin sagt ja Schreiben ist notwendig wie Atmen, aber es gibt einen Unterschied zwischen notwendig und natürlich. Jedenfalls wenn man die o.g. Definition zugrunde legt.

      1. Gut / wie es im einzelnen immer sein mag.
        da ich weder den Büffel jage mit dem Feuersteinpfeil noch zum Abendrot um den Baum tanze
        Widme ich mich dafür den Kulturspuren und ihrer Pflege / Verschiebung der Hingabe.

      2. Ach, da bringst du überhaupt den Begriff in die Diskussion, der vielleicht die ganze Zeit gefehlt hat. Schreiben ist nicht Natur, aber Hingabe. Das gefällt mir sehr!

      3. Meine ehrliche Meinung hierzu:
        Würden die Mitmenschen dieses Wort mehr gebrauchen / im Sinne von anwenden / würde vieles an Larifari sich selbst erübrigen.

  1. Ojeh, wo hört das eine auf und wo fängt das andere an? Wir sind Natur und was aus uns herauswächst ist Kultur? Worin besteht denn der Unterschied? Aber in den Höhlen, vor so vielen tausend Jahren, da haben sie schon Zeichen gesetzt auf und mit allem, was sich bearbeiten ließ, einfach so, aus einem Gestaltungsantrieb heraus. Das viel später einsetzende, je nach Gruppenzugehörigkeit reglementierende und freiheitseinschränkende Leistungsprinzip scheint mir eher sowas wie kulturelle Befindlichkeit zu sein, oder?

    1. „Kultur (von lateinisch cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“) bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur. Kulturleistungen sind alle formenden Umgestaltungen eines gegebenen Materials, wie in der Technik oder der bildenden Kunst, aber auch geistige Gebilde wie Sprachen, Moral, Religion, Recht, Wirtschaft und Wissenschaft.“ sagt Wikipedia. Wir selbst sind vielleicht Teil der Natur, aber doch nicht das, was wir tun! Und das Leistungsprinzip hat ja erst einmal gar nichts damit zu tun, dass Schreiben eben nicht Natur sondern Kultur ist, oder stehe ich da auf einem Schlauch?

  2. ich denke inzwischen, die grenzen zwischen „natur“ und „kultur“ sind fließend…
    was zb ist ein fingerabdruck? er ist natürlich, oder? kann aber auch kultur sein, wenn er eine „absicht“ hat.

    1. Ja genau, da hast du es doch schön auf den Punkt gebracht, das Interpretieren, Umformen, absichtsvoll und mit einem Ziel, das ist dann eben nicht mehr Natur. Deswegen meine Überschrift; wir sind der Riss in der Natur. Eben weil wir von Anfang an, wie Ludwig ganz richtig schreibt, in die Natur eingegriffen haben.

      1. ja, so wird der gedankengang für mich rund und nachvollziehbar. insofern sind wir ein „riss in der natur“, da stimme ich dir zu! stellt sich noch die frage, ob schreiben immer eine „absicht“ hat? ja, vermutlich schon. weil der kopf regie führt, führen muss. spannend, das alles!

  3. Risse im Beton: Platz für Blumen.
    Ein klassische Risse-Bild in meinem Kopf.
    Ansonsten ist Riss eher zerstörerisch besetzt.

    Und ich frag mich grad, wie natürlich der Mensch eigentlich ist.

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