Karin Kneffel

Karin Kneffel, 2012
Karin Kneffel, 2012

Dieses Bild war sozusagen das, was mich letzten Sonntag in der Ausstellung „Einfühlung und Abstraktion. Die Moderne der Frauen“ in der Kunsthalle Bielefeld in Empfang genommen hat. Ich war so fasziniert von Karin Kneffel und ihrem Werk, dass ich kaum dazu gekommen bin, mich auf die anderen Künstlerinnen einzulassen. Werde das aber sicher nachholen.

Und wieder einmal würde ich mir wünschen, jemand könnte mir erklären, was mich eigentlich so fasziniert an diesen Bildern, die mit Wasser spielen, mit filigranen Tropfen, mit der Brechung von Wahrnehmung und Perspektiven, die märchenhaft schön und dennoch verstörend sind.

Karin Kneffel studierte zunächst Germanistik und Philosophie. Seit 1981 besuchte sie die staatliche Kunstakademie Düsseldorf, wo sie Gerhard Richters Meisterschülerin wurde. Von 1998 bis 2000 hatte sie eine Gastprofessur an der Hochschule für Künste in Berlin inne. Von 2000 bis 2008 war sie dort als Professorin tätig, 2008 wurde sie von der Akademie der bildenden Künste in München zur Professorin ernannt.

Begonnen hat ihre Karriere mit kleinformatigen Tierbildern, Kopfporträts von Hühnern, Ziegen und Schafen. Später wurden die Formate größer und das weitgehende Unverständnis der Kunstwelt wich mehr und mehr wachsender Beachtung.

Kneffels Art zu malen ähnelt der der alten Meister. Sie trägt bis zu vier Schichten Ölfarbe auf die vierfach vorgrundierte Leinwand auf. Unglaublich ist ihre Beherrschung der Technik, wenn es darum geht Oberflächen, spiegelnde Flächen und Wasser in feinster Auflösung darzustellen.

Während die abgebildeten Gegenstände fast schon aufdringlich real sind, spielt Kneffel mit der Perspektive. Susanne Wedewer schreibt über Kneffels Ansatz: „Ihr Thema, das das gesamte Oeuvre durchzieht, ist das der Entfremdung, variationsreich formuliert durch das perfekt kalkulierte Spiel mit der Maßstäblichkeit, dem Verhältnis von Innen und Außen, vor allem mit dem Licht, dessen Quellle sie nie preisgibt, den Spiegelungen, die jede Verortung unmöglich machen, mit dem Fragmentarischen der Genres, die sie zitiert.” (Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, 2008)