Veränderungen

Immer noch, immer wieder, geht es um „nationale Interessen“, ohne dass jemals das Konzept der „Nation“ ernsthaft in Frage gestellt würde. Vielleicht ist es naiv, aber sollte Europa nicht als eine Gemeinschaft gedacht (und endlich auch gelebt) werden, deren Idee nicht nur über Nationen hinausgeht, sondern nationales Denken, nationale Identität obsolet macht, weil derart kleinstaatliches (auf vermeintliche Sicherheit und Machterhalt ausgerichtetes) Denken aufgehoben wird vom Willen als europäische Gemeinschaft Aufgaben bewältigen zu können, Lösungen zu finden, die jedes einzelne Land in seinen nationalen Grenzen überfordern würde?

Während sich alles ändert, grundlegend und mit Auswirkungen, die wir spätestens seit diesem Jahr zu deutlich spüren, um sie zu ignorieren, stellen sich nur wenige Medien und nur wenige der politisch Verantwortlichen der Tatsache, dass es eine grundlegende Veränderung der Lebenswirklichkeit für jeden Einzelnen von uns geben wird. Es ist diese Unsicherheit über die wir reden sollten. Denn sie zu verschweigen, erzeugt Angst, sie zu verleugnen wäre eine Lüge, die gravierende Folgen haben könnte, sich ihr nicht zu stelle führt zu Chaos und auf die Dauer zu Handlungsunfähigkeit.

Die Veränderung wird es geben. Aber wir können sie gestalten, wenn wir sie nicht länger verschweigen.

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10 Gedanken zu “Veränderungen

  1. Spannend, dass wir beide heute über das Thema Angst gebloggt haben. Und ja, das ganze Nationengerede irritiert mich auch immer mehr. Auch in der Schweiz, die letztlich nicht einfach Vogel Strauss spielen kann.

  2. Auch Europa besteht aus unterschiedlichen Völkern und Stämmen mit unterschiedlichen Merkmalen, Ansichten, Kulturen und Prägungen. Wobei Nationen nichts anderes sind als als deren Manifestation. Und deren Vielfältigkeit nur erhalten werden kann und Überlebenschancen hat, wenn selbige eben genau nicht zu einem Einheitsbrei verwurstet wird, wie es seitens bestimmter Kreise angestrebt wird. Meiner einer beispielsweise möchte sich durchaus das Recht auf die eigene Identität wahren und ganz bestimmt nicht dazu gezwungen werden, sich eine andere anzueignen; mal ganz abgesehen von dem dafür notwendigen Verrat an der eigenen Geschichte. Vermeintliche Sicherheit und Machterhalt m.E. sind letztendlich nichts weiter als reine Demagogie und geradezu eine Verspottung und Verächtlichmachung der gewachsenen Wirklichkeiten. Der europäische Gedanke ist genau der umgekehrte: Nur aus einer gesicherten Nationalität heraus kann ich bestimmte verbindende Ideen und Vorstellungen fördern. All die verschiedenen Völker und Stämme existieren schließlich zu einem ganz bestimmten Zwecke, nämlich voneinander zu lernen – was bei Einheitsbrei wohl eher schwierig wäre … 🙂

    Herzliche Grüße
    Der Salva

    1. Zwischen Einheitsbrei und reaktionärem Bestehen auf Nationalstaatlichkeit liegt das europäische Ideal, eine Identität die auf miteinander basiert statt auf entweder oder, und die daher gut mit Zuwachs umgehen kann, konstruktiv bestenfalls.

      1. Das ist halt die Frage, ob Nationalstaatlichkeit reaktionär ist vom Wesen oder seinen Anlagen her oder ob dies nur eine der Ideologie geschuldete Behauptung ist … 🙂

        Hinsichtlich des anzustrebenden Ideals bin ich ganz bei Ihnen.

        Angenehme Nachtruhe wünscht
        Der Salva

      2. Eure Diskussion ist sehr anregend; und ich finde eure beiden Standpunkte gleichermaßen nachvollziehbar. Die Frage ist, ob Nationalstaatlichkeit nicht automatisch eine höhere Wichtigkeit der eigenen Nation impliziert (mit all seinen negativen Konsequenzen) – und ob die Nicht-Staatlichkeit überhaupt handhabbar ist für uns, da Menschen gerade im „Einheitsbrei“ zu einer Art Intensivierung oder Radikalisierung ihrer Herkunftsidentität neigen. Letztendlich versuche ich mir ein Mittelding vorzustellen und muss zugeben, dass dieser noch immer an unseren Ängsten scheitern wird. Wir sind noch lange nicht so weit. Wir brauchen einfach noch zuviele Etikettierungen und Grenzen, um uns wohl zu fühlen.

      3. Ich glaube nicht, dass wir uns wirklich wohl fühlen mit diesen Etikettierungen und Grenzen, mit dem Festhalten an nationalen Identitäten, ich glaube wir können uns nur keine Alternativen vorstellen und gerade wenn es unübersehbar wird, dass gewaltige Veränderungen vor sich gehen, hält der Mensch wohl gerne am Alten fest, an dem, was er kennt.

      4. Ich glaube einfach, dass Gruppenbildung, Gruppenidentität, nationale Identität und kulturelle Identitätsbildung etwas ist, das man nicht einfach aushebeln kann aus der menschlichen Natur, es scheint, als gehörte es einem natürlichen Prozess an, der einer sozialen Entropie entgegenwirkt. Grenzen, Zugehörigkeit, Identität bewirken, dass die Umwelt für uns etwas kontrollierbarer erscheint und wir uns in ihr bewegen können. Solange Menschen eine eher begrenzte Kapazität haben, Alltagsprobelme zu lösen, werden sie eine Gruppe brauchen. Solange sie eine Gruppe brauchen und ihren Schutz (vor Umwelt und Feindseligkeiten) suchen, werden sie eine Kultur bilden. Solange sie eine Kultur bilden und in dieser sozialisiert werden, wird es Kultureigenschaften geben (spezifische Musik, spezifische Poesie, Eigenarten, Essen), die sie anderen bevorzugen. Es wird zu einem großen identitätsstiftenden Anteil in ihnen, den sie immer zu schützen suchen werden – und das kann wirklich auch zu Krieg führen, wobei ich inzwischen der Meinung bin, dass es selten um einen Krieg der Kulturen geht, sondern um den Krieg um Resssoucen. Und genau deshalb finden Menschen ihre Kultur besser als die andere, das ist eine rein emotionale Entscheidung. Vielleicht sollten wir klein anfangen und genau das verstehen: dass ich z. B. iranische Poesie schöner finde und sie mich vielmehr trifft, hat vor allem emotionale Gründe, keine objektiven. Dieses Verständnis verleitet uns später zu weniger Vorurteilen anderen gegenüber. Eine wirkliche Auflösung dieser „kulturellen Grenzen“ halte ich im Moment noch nicht für machbar, auch wenn sie mir gefällt. Außer, jemand kann eine andere Version von Gesellschaften zeichnen, in der jeder sich Zuhause fühlen kann. Aber darüber habe ich leider noch nichts gehört. Sobald wir beginnen, eine solche utopische Gesellschaft demokratisch zu gestalten, werden sich alle anderen Kulturen unter anderen traditionellen „Herrschaftssysteme“ benachteiligt fühlen. Denn wir gehen davon aus, Demokratie sei das non-plus-ultra. Das würden andere wiederum als Beleidigung ihrer eigenen Kulturen ansehen.

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