21. Oktober

Gestern habe ich geschrieben, dass es vielleicht die Aufgabe unserer Kinder, der nächsten Generation ist, einen Boden zu bereiten, auf dem wir uns gerade mit dem Fremden, konstruktiv auseinander setzen können. Was natürlich Blödsinn ist, denn das „Problem“ ist jetzt da. Die Menschen, die noch immer zu Tausenden nach Europa und speziell nach Deutschland flüchten, unerträgliche Sätze, die auf Pegida Demonstrationen gesprochen werden und dazwischen ganz viele zutiefst verunsicherte Menschen, die nicht wissen, wie das alles weitergehen soll. Dazu finde ich einen Artikel, den ich gerade gelesen habe, sehr empfehlenswert. Die Verfasserin spricht sich dafür aus, offen zu bleiben für die Ängste und Fragen, statt weiter im Schwarz-weiß Denken zu verharren; hier die Guten, die helfen und Refugees wellcome Schilder hochhalten und dort die Bösen, die Pegida hinterherlaufen und die Grenzen am liebsten schnell wieder schließen wollen.

wenn wir wollen, dass integration funktioniert müssen wir damit innerhalb unserer gesellschaft anfangen und auch die teile der gesellschaft mitnehmen, die uns fern sind und deren fragen wir uns gerne entziehen, vielleicht weil wir selbst die antwort nicht wirklich kennen. oder weil uns die frage am schopf unserer politischen korrektness und verklemmtheit packt. oder weil wir uns ertappt fühlen, weil uns selbst diese frage umtreibt wir uns aber nicht trauen sie zu stellen aus angst als tendenziell rechts dazustehen.

schreibt die Autorin und noch ganz viele weitere kluge, nachdenkenswerte Dinge.

7 Gedanken zu “21. Oktober

    1. Herzlichen Dank für diesen Link. Sehr guter, sehr wichtiger Artikel, in der Tat! Allerdings widerspricht er m.M. nach nicht dem, was die Verfasserin des von mir verlinkten Artikels sagt, meint oder denkt. Die Grenzen in unseren Köpfen sind tatsächlich entscheidener, als die, die als Gesetz oder Landesgrenze so unverrückbar erscheinen. Es ist jedes Mal wieder die Frage, wo wir selbst die Grenzen ziehen. Sehr richtig schreibt Fischer dazu: i“An der Grenze angelangt“ soll Deutschland sein. Wenn das so wäre: Armes Deutschland! Das Problem ist die Definition dessen, was wir als „Grenze“ und „Belastbarkeit“ ansehen. Die Grenze wird offenbar da gezogen, wo unser eigenes Alltagsleben tangiert ist. Also: Flüchtlinge so lange, bis ich mich einschränken muss. Was für eine erbärmliche Definition des „Möglichen“, was für eine peinliche Vision!edene

  1. Ich sage es mal so: In dem Zitat, und ich kenne nur dieses Zitat, zeigen sich sprachliche Verwerfungen, die mir Angst machen:

    „und auch die teile der gesellschaft mitnehmen, die uns fern sind und deren fragen wir uns gerne entziehen, vielleicht weil wir selbst die antwort nicht wirklich kennen. oder weil uns die frage am schopf unserer politischen korrektness und verklemmtheit packt. oder weil wir uns ertappt fühlen, weil uns selbst diese frage umtreibt wir uns aber nicht trauen sie zu stellen aus angst als tendenziell rechts dazustehen.“

    Es ist heutzutage Mode, bestimmte Wörter, bei denen es mal um eine bessere Gesellschaft ging, in ein negatives Licht zu stellen, und damit aber einen ganzen Schlag anderer Dinge zu meinen. Wenn es um die Rechte der Frau geht, oder die Selbstbestimmung des eigenen Empfindens und Lebens, oder aber um Empathie, Anstand und Bescheidenheit, dann wird sowohl der Feminismus mal pauschal abgewatscht, vor einer Genderisierung gesprochen oder aber „politische Korrektheit“ als Schimpfwort gebraucht.

    Es gibt durchaus Menschen, die auf manche Fragen keine Antwort wissen, und das sei ihnen nicht als Vorwurf zu machen, aber eine Frage wirft noch nicht den Verdacht einer rechten Gesinnung auf, sondern die Verweigerung oder das sturre Beharren darauf, das es keine Lösung gibt oder das uns eine Gefahr droht, ist das bedenkliche. Und was hier so nett daherkommt, das ist nichts anderes als der Satz „..man wird das doch noch mal sagen dürfen“ in einem anderen Gewand, mit einer Ohrfeige an alle, die verwundert feststellen, das bei ihnen dieses Problem gar nicht existiert. Aber diese sind ja verfangen in der politischen Korrektheit (nicht „korrektness“, was immer das auch ist) oder Verklemmtheit.

    Und, sorry, da geht mir der Hut hoch. Da habe ich auch kein Verständnis, da ist es eben so, dass eine ganze Portion Angst vor Fremdes und ums eigene Gut das Handeln bestimmt, und nicht Menschlichkeit, Mitgefühl oder das ganze Spektrum der Solidarität mit Menschen, denen es einfach dreckig geht. Und wie gesagt, es wird in einem vorwurfsvollen Ton und Nebensatz, aus der eigenen seltsamen, irritierenden Befindlichkeit auf andere geschlossen,und ihnen der Vorwurf gemacht, sie würden diese Empfindungen bei sich nicht zulassen. Aha.

    1. Ich glaube die Diskussion hier bewegt sich genau auf dem Feld, mit dem ich meine Überlegungen eingeleitet habe. Mein Zitat war möglicherweise unklug gewählt, weil es so aus dem Zusammenhang anders verstanden werden kann, und offenbar auch wird. Im Grunde geht es aber, dabei bleibe ich, in beiden Artikel darum, die Grenzen in sich selbst zu suchen und dort mit ihnen umzugehen, im Miteinander, nicht indem ich jemanden als unmenschlich abwerte, nur weil er seine Angst artikuliert. Warum spitzfindige Textexegese betreiben, wenn es im Grunde um dasselbe geht? Ich habe den von Dir verlinkten Artikel als Bereicherung und wichtige Ergänzung zu dem von mir zitierten Text gesehen, und sehe das noch immer so.

    1. Das glaube ich eben nicht. Ich glaube Angst ist die Basis, auf der sich dann Dummheit und Ignoranz zu gefährlichen Triebfedern entwickeln können. Deswegen finde ich es wichtig, sich diese Ängste anzuhören, auch wenn man sie selbst nicht hat, niemanden abzuwerten, weil ihm die Bilder von unentwegt ununterbrochenen Mengen an Menschen, die Zuflucht suchen, Angst machen, die Angst haben, weil da wirklich Welten aufeinander treffen, unterschiedliche Kulturen und Lebensstile, ganz abgesehen von der Not und den Traumata der Flüchtenden. Ich will keine Radikalisierung, weder von rechts noch von links, ich wünsche mir, dass man miteinander redet. Denn zwischen denen, die auf Pegida Demonstrationen unerträgliche Sätze sagen und Galgen hochhalten und denen die ihre Freizeit für die Hilfe der hierher Geflohenen einsetzen, befindet sich eine große Menge von Menschen, die einfach verunsichert sind und nur wenn man mit denen im Gespräch bleibt, kann die Integration von innen gelingen, von der Thomas Fischer in seinem Zeitonline Artikel sehr klug geschrieben hat.

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