Geheimnis

Anne Carson schreibt über die Rolle des Schweigens, der Reduktion und Auslassung beim Erzählen. Klischees als Fragen und die Katastrophe als Antwort. Wenn sie Francis Bacon zitiert, der zu einem Interviewer sagt: „Sehen Sie, das ist der Punkt, an dem sich über das Malen absolut nicht sprechen lässt. Es liegt im Prozess“, denke ich unwillkürlich an Olga Martynovas kluge Antwort auf die Frage, wie sie das macht, ihren Roman zu schreiben. Es ist als würden die Uneingeweihten hinter ein Geheimnis kommen wollen, es aufdecken wollen, von dem sie glauben, die Künstler würden es sorgfältig hüten. Dabei gibt es dieses Geheimnis nicht. Oder es liegt einfach darin, dass niemand davon sprechen kann. Dass etwas geschieht, wenn man nicht nur die richtigen Fragen stellt, sondern sich diesen Fragen stellt, mit allen Zweifeln und Unsicherheiten und der Beharrlichkeit dennoch Antworten zu finden. Und das was während dieser Auseinandersetzung geschieht, ist dann vielleicht Literatur, Kunst, etwas, das etwas bedeutet, was nicht genauer übersetzbar ist. Eine Verbindung herstellt zum Urtext mit dem wir alle verbunden sind, ohne es klar ausdrücken zu können.

 

5 Gedanken zu “Geheimnis

  1. Dieses Geheimnis lüften zu wollen, das keins ist, ist ein eitler Versuch, zu verstehen, Obwohl sich doch Leidenschaft, Intuition, Zufall und Handwerk zuweilen auf eine Weise verbinden, die sich allen Erklärungen entziehen muss. Verdichtung. Mission, Aussage, Intention sind dem vielleicht sogar untergeordneter als wir denken, oder wohl besser so zentral zu Grunde liegend, dass sie Teil des Ganzen, sogar der Bildsprache, sind?
    Nein, das sind keine Antworten und Erklärungen für das Unerklärbare. Bestenfalls ein paar weitere hilflose Versuche.
    Danke für deinen Artikel.

    1. Ich könnten seitenlang darüber schreiben, aber es hat etwas damit zu tun, dass wir Menschen untereinander ähnlich verbunden sind, wie die Bäume im Wald, diese Verbindung, die ja weder in Musik, Sprache oder Bild wirklich vollkommen abzubilden ist, aber an die jedes gute Kunstwerk herankommt, daran rührt und auf diese Weise eben die unterschiedlichsten Menschen berührt, ist das, was ich unter Urtext verstehe.

  2. das finde ich jetzt speziell, gerade gestern Abend habe ich darüber geschrieben, mal schauen, ob meins den Weg ins Blog findet … immer wieder erstaunlich, diese Synchronizitäten!

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