22. September

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich nicht gerne halb ausgegorene Gedanken niederschreibe, bzw. schon niederschreibe, aber nicht gerne öffentlich mache. Zum Beispiel die Frage, die jetzt immer wieder aufkommt, ob die große Hilfe der Freiwilligen für die Flüchtlinge nicht letztendlich den Politikern ermöglicht, weiterhin untätig zu bleiben, dabei bin ich davon überzeugt, dass andererseits gerade das große öffentliche Engagement dazu geführt hat, dass die Politik endlich begonnen hat, sich konstruktiv mit der Flüchtlingsproblematik auseinander zu setzen. Ebenso wahr ist, dass die Verantwortung nicht allein bei der Bevölkerung liegen darf, dass nicht politische Aufgaben delegiert werden dürfen an Freiwillige.

In der Zeit vom 10. September schreibt Slavoj Zizek, dass das Elend der Menschen, die aus „gescheiterten Staaten“ nach Europa fliehen, eine direkte Folge des ökonomischen Kapitalismus ist, den die Großmächte ausüben.

Er bietet die Forderung an: „Respektiert die anderen nicht einfach nur, bietet ihnen einen gemeinsamen Kampf an, da unsere Probleme heute gemeinsame Probleme sind.“ Nämlich die Auswirkungen eines global herrschenden Kapitalismus, der dingend transformiert werden muss.

Und vielleicht ist es ebenso wichtig, sich Gedanken um all diese Forderungen und Zusammenhänge zu machen, wie tatkräftig zuzupacken und zu helfen, wo man kann.

 

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4 Gedanken zu “22. September

  1. Das eine geht wohl nicht ohne das andere. Ich mag Veränderungen, die von der Basis kommen. Aber, wie du schreibst, sie müssen auch oben ankommen und von da koordiniert und vor allem finanziert werden.
    Danke für diesen klaren Text und dass du es wagst, dich dem Prozess auszusetzen (nicht immer das Perfekte schreiben zu müssen, meine ich).

  2. wir hatten gestern auch wieder das gespräch: helfende Hände versus Politik, für mich ist es eine Spaltung, hier das menschliche, dort die Welt des Verwaltens und Verwirtschaftens- ich glaube allerdings auch, dass die Politik noch eine Weile länger stumm geblieben wäre, hätte es nicht zum einen all die empörten und gleichzeitg hilfsbereiten Menschen gegeben und neben ihnen der brandschatzende Mob …
    mir machen die helfenden Menschen Mut und schenken mir Hoffnung, die Politik nicht- kann sie loslassen von eingefahrenen Mustern, kann der Kapitalismus noch von ihnen gedreht werden, ich habe da so meine Zweifel!

    1. Klar, und die Zweifel sind ja mehr als berechtigt. Nichts leichter, als dutzendfach Belege, Gründe für diese Zweifel zu finden. Andererseits ist es aber doch wunderbar, zu erfahren, zu erleben, wie wir trotzdem, trotz aller scheinbar so aussichtslos rigiden Strukturen, etwas bewegen können, dieses Gefühl von Selbstwirksamkeit sollte uns ermutigen, im Kleinen, bei uns selbst weiter zu machen und auf die Wellen zu hoffen, die wir damit als ganz kleiner Teil eines großen Ganzen auslösen können.

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