(54)

Olga Martynova schreibt, dass jedes Leben ein unlösbares Problem ist.

Unsere Aufgabe ist, Verantwortung dafür zu übernehmen.

Ein Gleichgewicht zu finden. Eine Mitte. Uns.

Was vielleicht nichts anderes ist, als unsere ureigene Art mit dem unlösbaren Problem umzugehen.

 

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10 Gedanken zu “(54)

  1. Das Leben als unlösbares Problem anzuschauen macht das Leben, grad jetzt, wenn ich den Satz lese und ihm nachlausche unglaublich schwer- ich sage gerne, dass es ein Rätsel ist. Rätsel machen neugierig und haben für mich genau die umgekehrte Bewegung, wie die Schwere der Probleme …
    und dann ist es auch so, wie Mickzwo schreibt, das Pendel geht hin und her und her und hin zwischen Leichtigkeit und Schwere, zwischen Freude und Leid …

    1. Problem heißt ja ursprünglich das Vorgelegte, das, was zur Lösung gebracht werden soll, eine Aufgabe, die zu bewältigen ist, und genau das scheint mir das Leben tatsächlich zu sein, für jeden von uns, und das ist, wie Michzwo ganz richtig schreibt, mal einfach, mal schwer.

  2. Ach ja, dem „ungelösten Problem“ kann ich uneingeschränkt zustimmen, aber wie das geht mit dem Verantwortung übernehmen, das habe ich immer noch nicht herausgefunden. Das sagt sich nämlich immer so leicht von aussen betrachtet, man müsse halt einfach die Verantwortung übernehmen, von innen heraus erkennt man ja meistens nicht die Zusammenhänge, im Inneren vom Chaos siehst du ja nichts und nach aussen stellen können wir uns ja nicht beim eigenen Leben! Und so ist es halt eine ewige Herumschaukelei zwischen Zustimmen und Absagen, Aushalten oder Verdrücken und ohne Entscheidungen geht es nicht , aber neun von zehn Entscheidungen sind falsch. Was tun? Keine Ahnung. Ich schaue den Rosen zu. Liebe Grüsse Margarete

    1. Liebe Margarte, schön, dass du gerade das Verantwortung übernehmen ansprichst, denn neben der (durchaus entlastenden) Tatsache, dass das Leben kein Problem ist, das sich lösen lässt, ist es gerade dieser Punkt, der mir wichtig ist. Und ich denke, es ist ebenso wie alles, mal einfach mal schwer, die Verantwortung zu übernehmen, das heißt ja eben nicht, alles richtig zu machen und das Chaos zu ordnen, nur eben zu sich zu stehen, die Fehler, die Auswege usw. nicht bei anderen sondern bei sich selbst zu suchen und zu finden und vielleicht auch einfach sich damit abfinden, dass eben neun von zehn Entscheidungen falsch sind, vielleicht ist das genau der eigene Weg mit dem unlösbaren Problem umzugehen.
      Diesen Satz, dass das Leben ein unlösbares Problem ist, hat Martynova im Zusammenhang mit einem Besuch in Israel geschrieben, denn während sie sonst meistens auf die Frage ihrer Herkunft angibt, sie sei Russin, hat sie in Israel gesagt, dass sie aus Deutschland kommt, weil sie, aufgrund der Tatsache, dass sie seit (ich glaube mittlerweile) zwanzig Jahren hier lebt, Verantwortung übernehmen wollte auch für die unschöne Vergangenheit Deutschlands. Das war für mich der Schlüssel für die weiteren Überlegungen, es gibt Dinge, die kann man weder lösen noch wieder gut machen, aber es gibt die Möglichkeit dazu zu stehen, sich damit auseinander zu setzen, es auszuhalten und auf diese Weise Verantwortung für sich und sein Dasein in der Welt zu übernehmen. Ich finde das sehr groß und gleichzeitig sehr tröstend.

      1. Ja, eine gewisse Erleichterung spüre ich auch dabei, das Leben als ungelöstes Problem zu betrachten, genau dies auszuhalten und dabei weder tatenlos zu resignieren noch zu verstummen, ja, da könnte diese viel zitierte und manchmal erdrückende Verantwortung zu suchen sein. Hab Dank für Deine Gedanken!

  3. Wenn ich das Wort Problem mit Herausforderung oder gar Geheimnis austausche, kann ich das ganz und gar unterschreiben.
    Ich erkenne mich in den Zeilen wieder. In diesem Prozess.
    Danke dir für den Anschubser!

    1. Man merkt, dass ihr befreundet seid, Du und Ulli ;-). Auch Dir möchte ich antworten, dass ich das Wort Problem in diesem Zusammenhang mag, und es auf keinen Fall ersetzen möchte, weder mit Herausforderung oder Geheimnis, ich empfinde es als große Erleichterung das Leben als unlösbares Problem zu betrachten, weil das ja auch bedeutet, dass es gar nicht möglich ist, alles richtig zu machen, und auch nicht notwendig. Was es wiederum erleichtert, Verantwortung zu übernehmen und uns erlaubt, unseren ureigenen Weg zu suchen und zu finden.

      1. Ja, so betrachtet ist das Wort Problem hier eine Erleichterung. So rum habe ich es mir nocb gar nicht überlegt. Problem ist für mich vielleicht einfach so eine Art Sackgasse-Reizwort, dass ich es gar nicht anders denken konnte.
        Danke für deine „Auflösung“.

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